Wissenstransfer in der Energiebranche

von Hanna Naoumis, 
Kommentare: 0

Workshop der NEW 4.0-Partner in Lübeck

Momentanreserve, Blindleistung aus dezentralen Erneuerbaren-Energien-Anlagen, virtuelle Kraftwerke und der erste Live-Trade der EnergiePlattform anhand eines Demonstrators sind nur wenige, dafür sehr relevante Themen, die die rund 80 Teilnehmer*innen des zweiten Transferworkshops in sogenannten "Klönschnacks" diskutierten.

Kaja Juulsgaard und Katharina Popig, HAMBURG ENERGIE GmbH. Foto: EEHH

Die NEW 4.0-Partner trafen sich in wunderschöner Kulisse in den Media Docks in Lübeck. Zu Beginn blieb die Gruppe im Plenum zusammen und hörte die Pitches der NEW 4.0-Use Cases. Die Use Cases zusammen sollen zeigen, wie eine sichere und CO2-mindernde Stromversorgung durch erneuerbare Energien möglich ist und wie Systemfunktionen durch Erneuerbare Energien übernommen werden können.

Die Leiter der jeweiligen "Anwendungsfälle" präsentierten die neuesten Entwicklungen und nächsten Schritte. Besonders spannend war es im Team des Use Case "schneller lokaler Intradahandel", in der auch die EnergiePlattform von HAMBURG ENERGIE und PONTON entwickelt wurde. Hier wurde der erste Live-Trade anhand eines Demonstators gezeigt.

Virtuelle Kraftwerke

Neben den Use Cases wurden auch die NEW 4.0-Demonstratoren und Technologien präsentiert. Hauke Großer von ARGE Netz GmbH & Co. KG stellte die virtuellen Kraftwerke im Konsoritum vor. Davon gibt es zwei: Zum einen das šErneuerbare Energien Kraftwerk von ARGE Netz, das aus 1.000 Einzelanlagen besteht. Uum anderen betreibt HanseWerk Natur ein VK, das aus 70 Einzelanlagen besteht und Lastflexibilität durch Power-to-Heat-Anlagen bietet.

Power-to-Heat-Projekte im NEW 4.0-Konsortium

Dr. Claus Hartmann von den Stadtwerken Flensburg stellte im Anschluss die Power-to-Heat-Projekte vor. Die Stadtwerke selbst besitzen einen 0,8 MW Elektrokessel in Tarp, der in verschiedenen Use Cases eingebunden werden soll. Der größte Kessel wird von Vattenfall Wärme Hamburg bereitgestellt. Der 45 MW Elektrodenheizkessel Karoline ist bereits vor einem halben Jahr eingeweiht worden. šHansewerk Natur betreibt einen 0,5 MW Elektrokessel in Wyk auf Föhr und die Aurubis AG baut derzeit eine 10 MW Power to Steam Anlage.

Flexibilisierung bestehender Industrieanlagen

Ein großer Schwerpunk im Konsoriutm liegt auf der Einbindung der Hamburger Großindustrie. Der Arbeitspaket-Leiter des AP Lastmanagements Klaus Schweiniger von TrimeT Aluminium SE gab einen spanneden Überblick über die Entwicklungen in den Industrie-Projekte und betronte das Risiko, das sich durch den unklaren Prozess zur Kostenerstattung im Rahmen der SINTEG-Experimentierklausel ergibt.

ArcelorMittal beschäftigt sich in dem Teilprojekt "Timeshift" mit der Erprobung verschiedener Arbeitspunkte im Schmelzprozess. Das Fast Melting wird in Zeiten von "Stomüberschüss" und das Slow Melting in Zeiten von "Strommangel" erprobt. TrimeT Aluminium arbeitet daran, die Aluminiumelektrolyse flexibel zu betreiben. Das TRIMET-Werk Hamburg wird damit in die Lage versetzt, gezielt Demand Side Response zu erbringen. Die Pilot-Sektion mit 10 Öfen, Booster und Ventilatoren wurden bereits verlegt.

Der Kuperhersteller Aurubis errichtet eine 10 MW Power-to-Steam-Anlage zur Unterstützung der Dampferzeugung am Werk Hamburg, die gleichzeitigerüberschüssigen Strom aus Erneuerbaren-Energien-Anlagen nutzten soll. Sasol wird sich vorraussichtlich ab Sommer mit einer Potentialanalyse beschäftigen, die Anwendungen und Möglichkeiten aufdecken soll, bei denen Wärme in Form von Dampf und Thermalöl aus Primärenergie durch überwiegend regenerativ erzeugten Überschussstrom substituiert werden kann.

Power-to-Gas und Wasserstoff

Marko Bartelsen, Energie des Nordens GmbH & Co. KG, gab einen Überblick über die zwei Power-to-Gas-Projekte im Konsoriutm.

Zum einen erläutert er sein eigenes Projekt "Windgas-Projekt Haurup". In erster Linie soll überschüssiger Windstrom mit Hilfe der Power-to-Gas-Technologie speicherbar gemacht werden. Frei nach dem Motto „Nutzen statt Abregeln“ soll überschüssiger Windstrom in Schleswig-Holstein mittels Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt und als Windgas ins Gasnetz eingespeist werden. Das zweite Projekt wird von Wind2Gas Energy realisiert, die einen Multi-MW Hybridspeicher mit angeschlossener Wasserstoff-Tankstelle umsetzten. Zusammen mit den Stadtwerken Brunsbüttel entwickeln sie neue Produkte im Mobilitätsbereich wie z.B. ein grünes Car-Sharing.

Batteriespeicher

Insgesamt drei Batteriespeicher-Projekte finden sich im NEW 4.0-Konsortium. Das mit Abstand größte ist EnspireME. Die Anlage hat eine Leistung von 48 MW und enthält etwa 10.000 Lithium-Ion-Akkumulatoren. Die Batterie wird seit Mai 2018 auf der wöchentlichen Auktion für die Primärregelleistung angeboten.

Im Speicherregelkraftwerk Curslack sollen Möglichkeiten zur Systemintegration erneuerbarer Energien praxisnah erforscht werden. Durch die Kopplung von Windpark und Batteriespeicher sollen Abschaltungen von Windenergieanlagen bei Netzüberlastung so weit wie möglich vermieden werden. Auch das oben beschrieben Speicher-Projekt von Wind2Gas Energy zählt zu den Speicherprojekten.

Klönen und Fisch-Bowl

Nach der Übersicht zu den einzelnen Technologien und Projekten verteilten sich die Teilnehmer*innen auf die verschiedenen Räume und konnten dort Ihr Fragen zu den einzelnen Vorhaben loswerden und ein wenig klönen.

Am Ende des Tages versammelten sich die Use Case-Leiter in einem Stuhlkreis und es wurde nach der Fish-Bowl-Methode diskutiert. Thema war der Feldtest der Use-Cases, also der reale Testbetrieb aller Demonstratoren und Vorhaben. Geleitet wurde die spannende Diskussion von Prof. Hans Schäfers von der HAW Hamburg.

Das Ende der Veranstaltung wurde mit einem Grillbuffet am Lübecker Hafen eingeleitet, bei dem sich die Partner weiter vernetzten konnten. Weitere Transferworkshops sind geplant!

Über die Autorin

Profilbild zu: Hanna Naoumis

Seit Anfang 2017 arbeite ich als B2B-Marketing Managerin von NEW 4.0 im Cluster EEHH. Ob auf dieser Webseite, bei Twitter, via Xing, auf Fachveranstaltungen und Messen - jeden Tag kann ich über das reden und schreiben, was mich am meisten interessiert: Die Entwicklung von innovativen Lösungen zum Voranbringen der Energiewende, des Klimaschutzes und damit einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft.

Fügen Sie als erster einen Kommentar hinzu

* Hierbei handelt es sich um Pflichtfelder.