Schneller regionaler Intradayhandel und die Energie Plattform

von Hanna Naoumis, 
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Der Use Case 1 des Energiewende-Großprojektes NEW 4.0

Die Norddeutsche EnergieWende denkt groß. Das Projekt NEW 4.0 will mit den Use Cases viele Herausforderungen der Energiewende vordenken. Die insgesamt sechs Use Cases in NEW 4.0 sollen zeigen, dass ein effizienter und sicherer Netzbetrieb bei hohen Anteilen erneuerbaren Energien möglich ist. Heute werfen wir einen Blick auf den schnellen regionalen Intradayhandel und die EnergiePlattform.

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Bevor wir anfangen zu erläutern, was das NEW 4.0-Team rund um dieses Thema geplant hat, gibt es zunächst eine Begriffsdefinition:

Intraday Handel bezeichnet den kontinuierlichen Kauf und Verkauf von Strom, der noch am gleichen Tag geliefert wird. Man spricht daher auch von kurzfristigem Stromgroßhandel, insbesondere im Gegensatz zum Stromhandel mit längeren Vorlaufzeiten am Terminmarkt. Der Handel findet sowohl am EPEX Spot in Paris statt als auch im OTC-Handel (Over-the-Counter), der neben der Börse läuft (vgl. www.next-kraftwerke.de).

Derzeit kann der viertelstundengenaue Handel als ein markantes Merkmal des Intraday-Handels gesehen werden. Eine Position kann innerhalb einer Regelzone (also TenneT, Amprion, 50Hertz und Transnet BW) bis zu 5 Minuten vor Lieferbeginn gehandelt werden.

Ausgangspunkt NEW 4.0

Die Macher dieses Anwendungsfalls starteten Ihr Projekt in der Annahme, dass mit dem Ende des Stromhandels eine halbe Stunde bis fünf Minuten vor Erbringung eine unnötig hohe Unschärfe bei der Stromproduktion hingenommen wird. Es soll gezeigt werden, dass ein Intradayhandel mit sehr viel kürzeren Vorlaufzeiten als gegenwärtig und sogar ein durchgehender Handel möglich ist.

Der Hebel zur Lösung: Mit Hilfe der Bockchain-Technologie eine „EnergiePlattform“ aufbauen. Nach Möglichkeit soll dort ein Handel noch in der Erbringungsviertelstunde möglich sein, so dass für die Erstellung des Regelzonenfahrplans relevanter Handel, nahtlos in den „Day After“ Handel übergehen kann.

Die Bedeutung des Intraday-Handels

Noch einmal zurück zur Begriffserklärung: Der Intraday-Handel dient primär dazu, Fehlmengen oder Überschüsse des eigenen Bilanzkreises durch kurzfristige, untertägige Handelsaktivitäten so gering wie möglich zu halten, um den Prognoseverpflichtungen des Bilanzkreisvertrages nachzukommen. So können etwaige Ausgleichsenergiekosten reduziert werden.

Mit Hinblick auf immer flexibler werdende Anlagen lässt sich der kurzfristige Handel aber auch dafür nutzen, um den Strom von Anlagen kurzfristig bedarfsgerecht – und somit möglichst gewinnbringend und systemstabilisierend – zu produzieren.

Der Intraday-Handel ist insbesondere von Bedeutung, um unvorhersehbare Änderungen in Stromproduktion und -nachfrage über marktliche Mechanismen aufzufangen, bevor der Einsatz von Regelenergie notwendig wird (vgl. www.next-kraftwerke.de).

Genau das sind auch die intendierten Effekte des NEW 4.0-Teams rund um den Use Case 1 des schnellen und regionalen Intradayhandels. Durch die bereits erbrachte Arbeit des Teams seit Projektstart Anfang 2017 konnten schon einige Anwendungsfälle und Produkte wie z.B. die regionale Primärenergie (Strom), identifiziert werden.

Die EnergiePlattform

Die EnergiePlattform ist die marktbasierte Plattform, die das automatische Handeln in einem Marktumfeld mit dem integrierten Echtzeit-Steuern von Anlagen verbindet. Entwickelt wurde sie federführend von HAMBURG ENERIE und der PONTON GmbH.

Auf der Marktseite finden Angebot und Nachfrage zueinander. Über die Fernwirkseite können geschlossene Verträge direkt in Steuerungen von Anlagen und Virtuellen Kraftwerken umgesetzt werden. Da der Gesamtprozess durch Blockchain-Technologien umgesetzt wird, können viele Handlungen parallel erfolgen und trotzdem alle Vereinbarungen eindeutig nachvollzogen werden. Gleichzeitig ermöglicht das Blockchain-Konzept, dass alle Teilnehmer gleichberechtigt sind; keiner macht sich abhängig.

Gerade im Hinblick auf die Flexibilitäten der Industrie und der volatilen Erzeugung durch erneuerbare Energieanlagen löst die EnergiePlattform sich von den bisher zu handelnden 15-Minuten-Produkten. Einhergehend mit den individuellen Produkten auf der EnergiePlattform wird zudem der Handel immer schneller und kurzfristiger. So wird auf der Plattform die Möglichkeit bereitgestellt, noch 5 Minuten vor der Lieferung und auch noch in die Erbringungsviertelstunde hinein zu handeln.

Aktueller Stand und Deep Dive

Die EnergiePlattform wird derzeit genutzt, um verschiedenen Anwendungsfälle zu testen, die die Selbstverwertungsquote von erneuerbaren Energien in der NEW 4.0-Modellregion erhöhen sollen.  

Mitte Mai 2019 wurde der erste Live-Trade eines Demonstrators im Rahmen einer NEW 4.0-Veranstaltung durchgeführt. Derzeit sind bereits reale Anlagen von Unternehmen an die EnergiePlattform angebunden. Die Anlagen sind für das Fernwirken erreichbar und separat steuerbar. Weitere Anlagen sollen folgen.

Mehr zur EnergiePlattform gibt bald auf dem NEW 4.0-Blog. Dann machen wir einen „deep dive“ in die Plattform und lassen die Macherinnen und Macher zu Wort kommen. 

Über die Autorin

Profilbild zu: Hanna Naoumis

Seit Anfang 2017 arbeite ich als B2B-Marketing Managerin von NEW 4.0 im Cluster EEHH. Ob auf dieser Webseite, bei Twitter, via Xing, auf Fachveranstaltungen und Messen - jeden Tag kann ich über das reden und schreiben, was mich am meisten interessiert: Die Entwicklung von innovativen Lösungen zum Voranbringen der Energiewende, des Klimaschutzes und damit einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft.

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