Nordlichter machen Energiewende - Interview mit Felix Röben

von Janina Grimm, 
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Nach mehr als drei Jahren Projektarbeit und vielen erfolgreich bestrittenen Meilensteinen wird es Zeit, sich den Macher*innen von NEW 4.0 zu widmen. Deshalb haben wir Felix Röben um ein Interview gebeten. Er ist Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kompetenzzentrum für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz - dem CC4E - an der HAW Hamburg.

Quelle: Felix Röben

Wir haben Felix gefragt:

Wie bist du zu NEW 4.0 gekommen?

Mein Weg in das Projekt begann mit meinem Masterstudium in Erneuerbaren Energien an der HAW Hamburg. Mein damaliger studentischer Betreuer empfahl mich für das Projekt NEW 4.0. Seitdem arbeite ich an der HAW als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kompetenzzentrum für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz, dem CC4E.

Zuvor war ich allerdings fünf Jahre lang in einem ganz anderen Bereich tätig, und zwar in der Luft- und Raumfahrtbranche. Ein duales Studium in Elektrotechnik führte mich zunächst hierhin. Doch im Laufe der Zeit wurde mir klar, dass ich meine Zukunft nicht mit dem Bau von Flugzeugen und Raketen verbringen möchte. Deshalb entschied ich mich, umzusatteln. Es war also kein geradliniger Weg in die Energiebranche.

Raketen bauen klingt doch spannend. Warum hast Du es bevorzugt, dich stattdessen den erneuerbaren Energien zu widmen?

Für mich stellt die Energiewende eine Generationsherausforderung dar, an der ich unbedingt mitwirken möchte. Mein Entschluss damals wieder an die Hochschule zu gehen und an Lösungen für akute Herausforderungen der Energiewende zu forschen, bereue ich daher keinesfalls.

Welchen Aufgaben gehst Du bei NEW 4.0 konkret nach und welche technischen Lösungen erforschst du?

Meine Aufgabe in diesem Projekt ist es, auf der einen Seite Angebote für die berufliche Weiterbildung zu entwickeln und auf der anderen Seite verschiedene Marktdesignmodelle im Energiesystem zu untersuchen, die womöglich in Zukunft zu Effizienzsteigerung führen können. In diesem Kontext habe ich seit April letzten Jahres auch eine halbe Stelle beim Fraunhofer Institut für Siliziumtechnologie (ISIT), dass sich bei NEW 4.0 im sogenannten „Use Case 3“ engagiert, angenommen.

In diesem Rahmen schreibe ich seit Beginn 2017 an meiner Doktorarbeit, die den Use Case 3, also den dritten Anwendungsfall bei NEW 4.0, untersucht. Dieser nimmt das „Smart Balancing“ in Augenschein. Ich möchte wissenschaftliche Erkenntnisse über die Auswirkungen liefern, die die Einführung von Smart Balancing in den deutschen Strommarkt hätte. Dafür beleuchte ich die möglichen Vorteile und Risiken und wiege sie gegeneinander ab. Auf dieser Grundlage erarbeite ich Vorschläge für optimierte Marktmechanismen, die das Wechselspiel zwischen Märkten, seinen Regeln und Akteuren besser ausbalancieren kann. Dafür gibt es verschiedene Ansätze aus verschiedenen Ländern, die ich vergleiche.

NEW 4.0 betrachtet insgesamt sechs unterschiedliche Anwendungsfälle – sogenannte „Use Cases“. Warum interessierst Du dich ausgerechnet für den Use Case 3 zu Smart Balancing?

Bei Smart Balancing finde ich die technische Seite sehr spannend, also unter welchen physikalischen Bedingungen unser Netz am Laufen gehalten wird. Auf der anderen Seite gibt es mit Blick auf den Strommarkt Regeln für Marktteilnehmer*innen. Daraus resultieren ein Marktdesign und unterschiedliche Geschäftsmodelle, die angewendet werden können. Im Schnittpunkt zwischen Netzstabilität und Marktmechanismen setzt Smart Balancing an. Was die technische Seite anbelangt, konnte ich auf mein Wissen, das ich mir während meines Elektrotechnikstudiums angeeignet habe, zurückgreifen. In Sachen Volkswirtschaft wiederum, habe ich viel dazu gelernt. Es ist einfach ein spannendes Querschnittsthema!

Du bist seit Anfang an bei NEW 4.0 dabei. Was macht das Projekt für dich besonders?

Für mich ist die Einzigartigkeit von NEW 4.0 wohl hauptsächlich der Vielzahl der Partner geschuldet. Bei den zahlreichen Treffen merke ich immer wieder, dass zwar alle Akteur*innen von ihrem Unternehmen geprägt sind, aber dass dennoch eine gemeinsame Vision verfolgt wird und dass bei Debatten um die besten Lösungsansätze auf Augenhöhe miteinander diskutiert wird.

Das NEW 4.0-Konsortium ist mit dem Ziel angetreten, den Weg für eine klimaneutrale Zukunft in Norddeutschland zu ebnen. Wie stellst Du Dir eine Welt oder ein Leben im Jahr 2050 ohne Treibhausgase vor?

2050 haben wir die Energiewende vollbracht und keine Energieprobleme mehr. Wir können klimaneutral Gebäude heizen und uns von A nach B bewegen, ohne Emissionen auszustoßen. Somit könnten wir uns den schönen Dingen des Lebens widmen: Ich habe mit ein paar Freund*innen einen Schrebergarten und es macht mir sehr viel Spaß, Gemüse anzupflanzen. Wenn es mit der Klimaneutralität 2050 klappt, dann finde ich sicherlich noch mehr Zeit dafür und habe bestimmt noch mehr Spaß daran.

Das Projekt neigt sich ja dem Ende. Was meinst Du: Hat es sein Ziel erreichen können?

Mit NEW 4.0 konnten wir zeigen, dass eine Energiewende basierend auf erneuerbaren Energien machbar ist. Dennoch müssen wir uns noch mehr Gehör verschaffen. Im Strombereich sind wir schon weit und nun müssen wir uns dem Wärme- und Mobilitätssektor widmen. Dass wir immer noch Verbrenner bauen und Gasheizungen montieren, ist nicht zielführend. Das Knowhow durch die Erkenntnisse in NEW 4.0 – gerade im Stromsektor – werden uns helfen mit dem Norddeutschen Reallabor an den anderen Sektoren anzusetzen. Eine der größten Herausforderungen ist es jetzt, eben diese Erkenntnisse zu quantifizieren.

Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass wir es uns nicht mehr erlauben können, weitere fünf Jahre „nur“ zu forschen. Es ist sehr wichtig, die gewonnen Erkenntnisse konkret umzusetzen und Marktbarrieren abzuschaffen.

Weißt du schon, wohin dich deine berufliche Reise nach NEW 4.0 verschlägt?

Tatsächlich habe ich verschiedene Pläne. Zum einen wird es im Anschluss an NEW 4.0 das Projekt Norddeutsches Reallabor geben, in dem ich mir gut vorstellen kann, mitzuarbeiten. Zum anderen werde ich als selbstständiger Dozent und Energieberater arbeiten und an der Berufsakademie Hamburg in Harburg nächstes Sommersemester ein Modul lehren. Auch werde ich für die Verbraucherzentrale als Energieberater freiberuflich tätig werden und damit nah an den Verbraucher*innen arbeiten.

Das klingt spannend und sehr vielseitig Felix! Wir wünschen Dir viel Erfolg und viel Spaß dabei.

Danke. Ich wünsche allen Kollegen alles Gute und Gesundheit. Ich hoffe, dass sich die Möglichkeit bald ergibt, alle noch einmal versammelt wiederzusehen und bis dahin: Anpacken und weiter Energiewende machen.

Über die Autorin

Profilbild zu: Janina Grimm

Seit März 2020 leite ich das B2B-Marketing von NEW 4.0 im Cluster EEHH. Ob auf dieser Webseite, bei Twitter, via LinkedIn, auf Fachveranstaltungen und Messen - jeden Tag kann ich über das reden und schreiben, was mich am meisten interessiert: Die Entwicklung innovativer Lösungen für eine ganzheitliche und nachhaltige Transformation unseres Energiesystems. Parallel studiere ich meinen Master in Energy Policy. Diese Kombination aus Praxis und Theorie birgt viele tolle Chancen, meine Kenntnisse im Bereich der Erneuerbaren-Energien-Branche und nachhaltiger Energiepolitik zu vertiefen. (Janina Grimm)

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