Nordlichter machen Energiewende - Interview mit Kaja Juulsgaard

von Janina Grimm, 
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Nach vier Jahren Projektarbeit und vielen erfolgreich bestrittenen Meilensteinen wird es Zeit, sich den Macher*innen von NEW 4.0 zu widmen. Deshalb haben wir Kaja Juulsgaard um ein Interview gebeten. Sie ist Smart-Grid Ingenieurin bei HAMBURG ENERGIE und betreut das NEW 4.0-Teilprojekt „EnergiePlattform“.

Wir haben Kaja gefragt:

Gibt es ein Ereignis in deinem Leben, das deinen beruflichen Weg oder dein Engagement für die Energiewende stark beeinflusst hat?

Ich weiß nicht, ob es so einen Moment gab, aber für mich ist das Thema Nachhaltigkeit, Umwelt, Klimaschutz privat immer ein wichtiges Thema gewesen. Vielleicht wurde mir das während des Studiums aber erst richtig bewusst. Ich habe mit einem klassischen Wirtschaftsingenieurstudium begonnen. Die Themen der erneuerbaren Energien, der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes wurden hier leider kaum behandelt. Das fand ich schade, weshalb ich mich nach meinem Abschluss für den Master „Energie- und Umweltmanagement“ in Flensburg entschied. Hier hat sich die Idee, auch beruflich den „grünen“ Pfad einzuschlagen, gefestigt.

Schlussendlich bin ich über den umwelttechnischen Masterstudiengang dann bei HAMBURG ENERGIE als Smart-Grid-Ingenieurin für das NEW 4.0-Teilprojekt „EnergiePlattform“ gelandet. Das war 2018, gleich nach meinem Studium. Die ausgeschriebene Stelle hat mich deswegen angesprochen, weil sie die Schnittstelle zwischen der technischen Komponente und den marktbasierten Anwendungen bilden sollte. Das war total Meins: ich bin sowohl für Technik zu begeistern als auch für das Projektmanagement und insbesondere für die Frage, wie die Prinzipien Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit über intelligente technische Lösungen miteinander zu vereinbaren sind.

Zur EnergiePlattform: beschreibe in wenigen Worten, um was es sich bei diesem Projekt handelt.

Bei unserem Projekt geht es um die Entwicklung einer marktbasierten Plattform – der EnergiePlattform –, auf der „echtgrüne“ Energie flexibel und regional gehandelt werden kann. Sie bietet darüber hinaus unterschiedlichen Akteuren – Erzeugungsanlagen, Speicher sowie private und industrielle Energieverbraucher – die Möglichkeit, über diese Plattform diverse emissionsfreie Energieprodukte anzubieten und nachzufragen. Damit unterstützen wir die Energiewirtschaft nicht nur beim „grüner werden“, sondern sorgen auch für mehr Transparenz auf dem Energiemarkt und für mehr Flexibilität. Diese Eigenschaften sollte ein Energiesystem mit sich bringen, wenn es zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien bestehen soll.

Was ist mit „echtgrüner“ Energie gemeint und wie gewährt eure Plattform Transparenz auf dem Energiemarkt?

Durch den Einsatz des Softwarekonzeptes Blockchain lässt sich sicher und verlässlich nachweisen, von welcher Erneuerbaren-Energien-Anlage der Strom stammt, wann er produziert wurde und wo und wie dieser gegebenenfalls zwischengespeichert wurde. Auf Grundlage dieser Information können wir die Herkunft und Qualität des Stroms bestimmen, ihn entsprechend auszeichnen und ihm damit eine größere Wertigkeit verleihen. Dieses Konzept fördert den Weg hin zu einem hundert Prozent aus erneuerbaren Energien bestehendem System. Wir sind überzeugt, dass es gut ist, erneuerbaren Strom dort zu verbrauchen, wo er auch erzeugt wurde. Das ist für uns mit „echtgrüne Energie“ gemeint.

Gleichzeitig ist Dank der gewählten Software-Lösung die EnergiePlattform in der Lage, einen genauen Mengen- und Zeitabgleich von den Energiemengen zu machen, die auf unserer Marktplattform gehandelt werden. Die Plattform unterstützt Flexibilitätsoptionen der verschiedenen Akteure und steigert so die Verwertung von erneuerbarer Energie vor Ort. Dabei soll die Plattform die komplexen, ineinandergreifenden Vorgänge automatisieren, koordinieren und optimieren. Mit dem Konzept der EnergiePlattform konnten wir innerhalb von NEW4.0 verschiedene Anwendungen der Teilnehmer testen. So konnten wir beispielsweise eine Power-to-Heat-Anlage je nach Bedarf automatisch steuern, private Haushaltskunden integrieren, aber auch große Industriewerke schalten.

Welche drei Stichwörter würden das Projekt „EnergiePlattform“ am besten beschreiben?

Digitalisierung: Denn ohne die Automatisierung und die Optimierung von Daten- und Informationsflüssen kann ein dezentral organisiertes Energiesystem nicht funktionieren.

Echtgrüne Energie: Unser Projekt hat den Anspruch, zu jeder Zeit nachvollziehen zu können, wo die bei uns gehandelte Energie herkommt, wo sie verbraucht und wo sie zwischengespeichert wird. Das schafft Transparenz und Vertrauen in zukünftige Energieprodukte und steigert die Flexibilität innerhalb des Energiesystems.

Netzwerk: HAMBURG ENERGIE war zwar bei der „EnergiePlattform“ federführend. Doch ohne die Zu- und Mitarbeit unserer tollen Partner und ihrer Hands-on-Mentalität wäre es nicht gegangen.

Was macht NEW 4.0 für Dich aus? Was ist das Besondere an diesem Forschungsvorhaben?

Das tolle an NEW 4.0 ist die übergreifende Kooperation zwischen den Partnerorganisationen, aus der sich über die Jahre hinweg ein starkes Gemeinschaftsgefühl entwickelt hat. Zu der Gruppe der EnergiePlattform gehören Demonstratoren wie TRIMET, ArcelorMittal, Stadtwerke Norderstedt, Stadtwerke Flensburg, Nordex; wissenschaftliche Einrichtungen wie die Uni Hamburg, HAW, Stiftung Umweltenergierecht und der softwaretechnische Partner Ponton. Gemeinsam haben wir das Konzept erarbeitet und getestet, ob unsere EnergiePlattform nicht nur auf dem Papier, sondern auch unter realen Bedingungen funktioniert.

Besonders ist hierbei auch das Netzwerk über das eigene Forschungsprojekt hinaus. Wir standen regelmäßig mit den Plattformen der anderen Schaufenster in Kontakt. Auch wenn unterschiedliche Themenfelder betrachtet werden, so arbeitet man gemeinsam an dem Ziel die Energiewende möglich zu machen.

Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus: Was machst Du als Erstes, wenn Du ins Büro kommst und was erledigst du kurz vor Feierabend?

Ich arbeite als Projektingenieurin voll und ganz für NEW 4.0. Daher ist mein Alltag auch sehr projektabhängig. Es gibt Konzeptphasen, aber auch Zeiten in denen diese Konzepte in Form realer Tests umgesetzt werden müssen. Die Abstimmung und die Zusammenarbeit mit allen Partnern stellt eine große Konstante in meinem Arbeitsalltag dar. Noch abwechslungsreicher wird es, wenn ich unser Projekt der Außenwelt vorstelle – also Vorträge halten und auf Fachveranstaltungen netzwerken kann.

Meine Arbeit ist vielseitig und agil, was mir persönlich sehr gefällt. Auch wenn es in heißen Phasen mal hektisch wird, ich flexibel bleiben und schnell reagieren muss, brauche ich trotzdem meine Strukturen. Deshalb arbeite ich gerne mit To-Do-Listen und plane meine Woche und meinen Tag immer vor. So behalte ich am Ende des Tages einen guten Überblick und kann beruhigt in meinen Feierabend starten.

Was begeistert Dich an deinem Job?

Mir war es immer wichtig, dass ich beruflich etwas mache, das mich privat auch interessiert. Ich will in meiner Arbeit meine persönlichen Werte wiederfinden. Bei HAMBURG ENERGIE und als Projektingenieurin für NEW 4.0 tue ich das, weil ich mich hier für das Gelingen der Energiewende und den Ausbau erneuerbarer Energien einsetzen kann.

Was ist aus deiner Sicht das Wichtigste, damit die Energiewende zum Erfolg wird? Hat NEW 4.0 deiner Meinung nach dazu beigetragen?

Damit die Energiewende zum Erfolg wird, braucht es solche Projekte wie NEW 4.0. Davon bin ich überzeugt. Denn sie zeigen, dass es machbar ist, die Energiewende umzusetzen. Das wichtigste ist jetzt, dass die Politik da ihre Prioritäten setzt und uns machen lässt. Wir müssen wegkommen von den Bremsen, Deckelungen und Abgaben. Strom aus erneuerbaren Energien ist mittlerweile sehr günstig, wird aber durch die jetzigen Regelungen künstlich verteuert.

Wohin geht die Reise nach NEW 4.0 für Dich? Bleibst Du HAMBURG ENERGIE treu?

Ich bleibe HAMBURG ENERGIE und auch der Forschung und Entwicklung treu. Wir bekamen im Sommer 2020 ein weiteres Forschungsprojekt bewilligt, das Projekt „Integrierte Wärmewende - IW3“ in Wilhelmsburg aus dem Programm Reallabor der EnergieWende vom BMWi. Hier werde ich als Projektmanagerin ab Dezember die Schnittstelle über die gesamten Forschungsprojekte bilden und mich intensiver mit CO2-neutraler Wärmeversorgung befassen.

Im Rahmen von IW3 wird eine Geothermieanlage gebaut, um Erdwärme für Hamburgs Industrie, Gewerbe und private Haushalte nutzbar zu machen. Auch hier wird es wichtig sein, Erzeugungsanlagen, Speicher und Verbraucher intelligent zu kombinieren. Daher sollen unsere Erfahrungen, die wir mit der EnergiePlattform von NEW 4.0 gesammelt haben, diesem neuen Vorhaben zugutekommen. Mit diesen Erfahrungen wollen wir die grüne Wärme real in einem Wärmequartier integrieren und Endkunden in der Praxis mit CO2 freier Wärme versorgen.

Das sind tolle Nachrichten, Kaja! Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg dabei!

Über die Autorin

Profilbild zu: Janina Grimm

Seit März 2020 leite ich das B2B-Marketing von NEW 4.0 im Cluster EEHH. Ob auf dieser Webseite, bei Twitter, via LinkedIn, auf Fachveranstaltungen und Messen - jeden Tag kann ich über das reden und schreiben, was mich am meisten interessiert: Die Entwicklung innovativer Lösungen für eine ganzheitliche und nachhaltige Transformation unseres Energiesystems. Parallel studiere ich meinen Master in Energy Policy. Diese Kombination aus Praxis und Theorie birgt viele tolle Chancen, meine Kenntnisse im Bereich der Erneuerbaren-Energien-Branche und nachhaltiger Energiepolitik zu vertiefen. (Janina Grimm)

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