Norddeutschland und die EU sind sich einig: Wasserstoff hat Zukunft, fördert die Wirtschaft und schont das Klima. Nun wartet alles auf die Bundesregierung.

von Janina Grimm, 
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Zukünftig soll mehr grüner Wasserstoff in Deutschland zum Einsatz kommen. Dafür sucht der Norden Deutschlands nach Allianzen auf allen Ebenen. Im November 2019 wurde die norddeutsche Wasserstoffstrategie verabschiedet. Fünf Küstenländer schlossen sich zusammen, um eine Strategie zum Aufbau einer regionalen Wasserstoffwirtschaft zu erarbeiten. Jetzt sucht Hamburg auch den Schulterschluss mit europäischen Partnern. Im April trat die Hansestadt der European Hydrogen Valleys Partnership (EHV) bei. Alles wartet nun noch auf einen bundesdeutschen Vorstoß. Eine nationale Strategie war für Ende 2019 angekündigt, lässt aber bis heute auf sich warten.

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Norddeutschland plant Wasserstoff-Hotspot zu werden

Schon heute trägt Norddeutschland wie keine andere Region des Landes aufgrund seines hohen Windkraftaufkommens bedeutend zum Erreichen der Energiewende bei. Das gilt insbesondere für den Stromsektor. Fast die Hälfte des norddeutschen Strombedarfs basiert mittlerweile auf der Erzeugung erneuerbarer Energien. Allerdings gehört zu einer ganzheitlichen Transformation des Energiesystems auch die Dekarbonisierung des energieintensiven Verkehr- und Wärmesektors. Grüner Wasserstoff gilt hier als strategischer Energieträger der Zukunft. Zudem birgt er den Vorteil, überschüssigen Windstrom, der nicht ins Netz eingespeist werden kann, über das Elektrolyseverfahren nutzbar oder auch langfristig speicherbar zu machen. Neben Klimaschutzaspekten birgt der Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft im Norden natürlich auch attraktive Perspektiven für ansässige und hinzukommende Unternehmen. Es können neue Wertschöpfungsketten und qualifizierte Arbeitsplätze als auch Anreize für Innovationen geschaffen werden. All das fördert das Wirtschaftswachstum und stärkt den Wirtschaftsstandort Norddeutschland.

Entsprechend setzten sich die deutschen Küstenländer im Rahmen ihrer gemeinschaftlichen Wasserstoff-Strategie zum Ziel bis zum Jahr 2030 eine grüne Wasserstoffwirtschaft zu errichten und eine nahezu vollständige Versorgung für alle an grünem Wasserstoff interessierten Abnehmer zu gewährleisten. In Zahlen gesprochen, erwartet Norddeutschland bis 2025 mindestens 500 Megawatt und bis 2030 mindestens fünf Gigawatt Elektrolyseleistung zur Erzeugung von grünem Wasserstoff installiert zu haben. Für den erfolgreichen Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft sollen in der Initialphase Wasserstoff-Hubs errichtet werden. Simultan werden sich die Küstenbundesländer für den Aufbau einer Wasserstoff-Wertschöpfungskette stark machen.

Die Nutzung von Wasserstoff in der Mobilität verstehen die norddeutschen Länder aufgrund der Schlüsselfunktion des Mobilitätssektors beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft als eine der prioritären strategischen Achsen. Theoretisch könnten allein mit den 500 Megawatt bei Einsatz von grünem Strom aus Windparks an Land rund 151.000 Pkw mit grünem Wasserstoff versorgt werden. Bei einer Steigerung auf fünf Gigawatt wären das 1,5 Millionen Pkw. Das entspricht der derzeitigen Zulassung aller Pkw in Schleswig-Holstein. Darüber hinaus sieht die norddeutsche Wasserstoffstrategie parallel zum derzeitigen Aufbau von E-Ladesäulen den Aufbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes vor.

Geeignet ist der Norden vor allem aufgrund seiner hohen Erzeugungskapazitäten im Bereich des On- und Offshore-Windstroms, seiner Seehäfen, die künftig eine wesentliche Rolle beim Import und Verteilung von grünem Wasserstoff einnehmen werden, seiner maritimen Unternehmen und anderen Industriezweigen, die über erhebliche Erfahrungen im Umgang mit Wasserstoff verfügen.

"Die Energiewende im Norden schaffen wir nur, wenn wir regenerativ erzeugten Strom auch in anderen Sektoren wie Verkehr und Industrie nutzen, um Erdgas und Erdöl zu ersetzen. Grüner Wasserstoff wird hierbei eine zentrale Rolle spielen. Die Metropolregion Hamburg ist aufgrund des großen Potenzials der Windkraft und der bereits heute existierenden Expertise im Umgang mit Wasserstoff, ein idealer Standort für die Wasserstoffproduktion. Im Verbund mit den anderen norddeutschen Ländern will Hamburg die Standortvorteile der Region nutzen und den Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft in den nächsten Jahren zügig voranbringen."

Jens Kerstan, Senator für Umwelt und Energie

Hamburg – EHV Partner seit April 2020

Unter dem Dach der Norddeutschen Wasserstoffstrategie wird es auch landesspezifische sowie regionale Handlungsansätze geben. Hamburg geht noch einen Schritt weiter und sucht mit seiner Mitgliedschaft im European Hydrogen Valleys Partnership (EHV) auch den europäischen Schulterschluss. Es handelt sich um eine europäische Verbundorganisation, der aktuell mehr als 30 Regionen in 13 europäischen Ländern angehören. Ziel der EHV ist es, die supranationalen politischen Entscheidungsträger für die strategische Bedeutung des Wasserstoffes beim Erreichen der europäischen Klimaschutzziele zu sensibilisieren und neue und länderübergreifende Investitionsprojekte voranzutreiben.

Aktueller Stand zur bundesdeutschen Wasserstoff-Strategie

Die norddeutsche Wasserstoffstrategie und der Eintritt Hamburgs in die EHV stellen die Weichen in Richtung Wasserstoff. Den notwendigen Rückenwind dazu muss der Bund noch beisteuern. Schon 2019 wollte die Bundesregierung ihre Wasserstoffstrategie beschließen. Grund für die Verzögerung bildet die aktuelle Corona-Krise. Ein erster Entwurf wurde bereits veröffentlicht, doch noch gibt es keinen Termin für eine Beschlussfassung im Kabinett.

Über die Autorin

Profilbild zu: Janina Grimm

Seit September 2019 unterstütze ich als studentische Hilfskraft das gesamte Team des Clusters für Erneuerbare Energien Hamburg bei der Entwicklung, Umsetzung und Nachbereitung vielfältiger Fachveranstaltungen. Parallel studiere ich meinen Master in Energy Policy. Diese Kombination aus Praxis und Theorie birgt viele tolle Chancen, meine Kenntnisse im Bereich der Erneuerbaren-Energien-Branche und nachhaltiger Energiepolitik zu vertiefen. (Janina Grimm)

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