NEW 4.0 und die Klimawoche - Interview mit Initiator Frank Schweikert

von Janina Grimm, 
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Die NEW 4.0 Roadshow war dieses Jahr das erste Mal auch auf der Hamburger Klimawoche vertreten. Der Journalist, Umweltaktivist und heutige Vorsitzende des Beirats der Hamburger Klimawoche Frank Schweikert initiierte diese 2009. Wir haben ihn um ein Interview gebeten, um die Beweggründe der Klimawoche und die Parallelen zu NEW 4.0 zu beleuchten.

Rechte: Wieding

Herr Schweikert, Sie sind Gründer und Initiator der Hamburger Klimawoche, die seit 2009 alljährlich auf dem Rathausmarkt der Hansestadt stattfindet. Wie kamen Sie zu dieser Idee?

2009 trafen mehrere Ereignisse zusammen, die den Startschuss für die Hamburger Klimawoche einleiteten. Zum einen richtete die Stadt Hamburg genau in diesem Jahr ihre Klimaleitstelle ein. Zum anderen veröffentlichte der Senat den ersten Hamburger Klimaplan. Zusätzlich war damals schon Hamburg der weltweit größte Klimacampus für Klimaforschung.

Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, die Gesellschaft an den klimapolitischen Entwicklungen und neuen Forschungskompetenzen in Hamburg teilhaben zu lassen. Es sollte darum gehen, die Bürger mitzunehmen und ihnen zu veranschaulichen, wie Hamburg die Herausforderungen des Klimawandels aktiv zu begegnen versucht.

Zufällig wurde damals auch die erste globale „Klimawoche“ vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen gelauncht. Die Stadt New York plante parallel zur Generalversammlung der Vereinten Nationen mit zahlreichen weiteren Metrolpolen eine erste internationale Klimawoche abzuhalten. Da passte eine Hamburger Klimawoche hervorragend ins Gesamtkonzept. Davon versprachen wir uns vor allem die Hamburger Klimastrategien vorzustellen und darüber hinaus eine Plattform für den Dialog und den Austausch zwischen Wissenschaftler*innen, Politiker*innen, Unternehmen und der Zivilgesellschaft zu schaffen.

Dieses Jahr fand die Hamburger Klimawoche unter erschwerten Corona-Bedingungen statt. Wie stark und inwiefern hat sich die Pandemie auf die Veranstaltung ausgewirkt?

Wir mussten unsere Präsenzveranstaltungen natürlich drastisch reduzieren. Konsequenterweise sind wir zur Digitalisierung des Events übergegangen. Das heißt, dass wir mit Hilfe von guten Medienpartnern, alle großen Veranstaltungen digital dokumentiert und teilweise live übertragen haben. Dennoch blieb es nicht umhin, dass wir ein sehr aufwendiges Hygienekonzept gestalten und umsetzen mussten. Die Umsetzung dieses Konzeptes hat uns viel Geld und natürlich auch generell mehr Ressourcen gekostet.

Welche Vor- und Nachteile bergen digitale Formate, um Bürger*innen für Klimaschutz, Energiewende und ökologische Nachhaltigkeit zu begeistern? Glauben Sie, dass die persönliche Interaktion hierbei eventuell obsolet werden könnte?

Ich finde beides wichtig. Ich denke, dass die menschliche Interaktion unersetzbar ist. Auf der anderen Seite bietet die digitale Welt die Möglichkeit, unsere Reichweite zu erhöhen. Letztendlich kommt es doch darauf an, dass wir über die Hamburger Klimawoche und unseren hochkarätig besetzten Beirat glaubwürdige und aktuelle Informationen rund um Klima- und Umweltschutzfragen verbreiten können.

Wir werden daher die hybride Form auf jeden Fall auch in Zukunft beibehalten. Auch aus Gründen der Nachhaltigkeit ist es doch geboten, dass wir digitale Angebote nicht nur als Eintagsfliegen betrachten, sondern sie vermehrt nutzen, um unsere Botschaften allen, die es wünschen, dauerhaft und nachhaltig zur Verfügung zu stellen.

Die NEW 4.0-Roadshow

Rechte: David Luther

Wo wir gerade von Digitalisierung sprechen: NEW 4.0 war mit seinem interaktiven Exponat dieses Jahr auch bei der Hamburger Klimawoche vertreten. Wie ist es bei den Besucher*innen angekommen?

Ich selbst habe mich am Exponat versucht. Mein Fazit: Über das Exponat kann gut in Erfahrung gebracht werden, wie unterschiedliche Energieträger und -formen (elektrische Energie oder Wärmeenergie) im Zusammenspiel miteinander die Lösung für eine erfolgreiche Energiewende sein können. Diese Erkenntnis nicht nur den Entscheidungsträger*innen, sondern auch den Bürger*innen näher zu bringen, ist meines Erachtens besonders wichtig.

Bisher haben die meisten Menschen ein relativ schmalspuriges Verständnis von Energie. Wenn wir an Energie denken, dann an Strom, der aus der Steckdose kommt. Aber um diesen Strom aus der Steckdose nachhaltig und regenerativ beziehen zu können, werden wir uns an einen Mix von verschiedenen Energieformen gewöhnen müssen. Das beinhaltet auch, dass uns klar werden muss, dass Energie auf unterschiedliche Weise erzeugt wird und teilweise zu unterschiedlichen Zeiten für uns verfügbar sein wird. Das wird unser Leben zukünftig maßgeblich beeinflussen. Die Zeit einer konstanten, zentralisierten Zufuhr einer Energiesorte zu Lasten unseres Klimas ist inakzeptabel.

Deswegen ist ein Exponat, wie das von NEW 4.0 so wichtig. Es erklärt nämlich den Menschen, dass wir in Sachen Energie umdenken und ganz unterschiedliche Aspekte beachten müssen. Aufgrund seiner interaktiven Tools gehörte das NEW 4.0-Exponat definitiv mit zu den erfolgreichsten Ausstellungsstücken unseres Themenparks. Die Politiker*innen, mit denen ich da durchgegangen bin, waren begeistert.

Bei NEW 4.0 setzen wir viel auf Digitalisierung, vor allem um den Energiemarkt zu flexibilisieren. Was meinen Sie: wie stark hängen Digitalisierung, Klimaschutz und Energiewende zusammen?

Also theoretisch können sie separat voneinander gedacht werden, weil die Erzeugung regenerativer Energien zunächst wenig mit Digitalisierung zu tun hat. Allerdings reden wir zunehmend von der Notwendigkeit, verschiedene Energieformen aber auch Stromnetze miteinander intelligent zu kombinieren. Um eine gute Auslastung der Netze und um eine hundertprozentige Energiesicherheit zu gewährleisten, brauchen wir die Digitalisierung.

Ich sehe da in Deutschland einen extrem hohen Nachholbedarf, weil über viele Jahre versäumt worden ist, intelligente Energiemanagementsysteme beispielsweise für Haushaltskunden einzuführen.

Nichtsdestotrotz steht deutsche Ingenieurskunst grundsätzlich für Nachhaltigkeit. Deutsche technologische Lösungen sind im In- und Ausland gefragt, weshalb ich denke, dass gerade von Hamburg aus, in Verbindung mit unseren Klimaforschern und dem Energiecluster wichtige Signale sowohl in andere Teile Deutschlands, nach Europa und in die Welt ausgehen könnten und müssen. Ich würde mir wünschen, dass diese Themen für die Bevölkerung in Zukunft noch anfassbarer werden, damit sie uns noch stärker darin unterstützt, Hamburg klimafreundlicher zu gestalten. Ohne privates Engagement wird uns das nicht gelingen. Dafür müssen wir uns mit der Hamburger Klimawoche, den Hamburger Clusterorganisationen und lokal ansässigen Forschungsprojekten verstärkt einsetzen.

Glauben Sie, dass Hamburg das Ziel für 2035 klimaneutral zu werden, erreichen wird? Inwieweit tragen Ihrer Meinung nach Projekte wie NEW 4.0 oder auch das kommende Reallabor-Projekt dazu bei?

Wenn der politische Wille da ist, ist eine regenerative Energieversorgung Hamburgs sogar noch früher möglich. Im Wesentlichen sind es politische Hürden, die einer umgehenden Umsetzung der Energiewende noch im Wege stehen – de facto ist die Energiewende eine alternativlose und exzellente Möglichkeit, die Energieversorgung unserer Metropole in Zukunft zu gewährleisten. Das Reallaborprojekt und NEW 4.0 sind hervorragende Instrumente, um die letzten Zweifler innerhalb der Politik mit einem vernünftigen akademischen Unterbau an Informationen von der Notwendigkeit und Machbarkeit der Energiewende zu überzeugen. Unter dem Dach von NEW 4.0 arbeitet eine Vielzahl an norddeutschen Akteuren an der Verwirklichung eines gemeinsamen Ziels: die Energiewende in Hamburg und Schleswig-Holstein zu verwirklichen. Alleine die Tatsache, dass dieses Netzwerk existiert und eine breite politische Unterstützung erfährt, deutet darauf hin, dass Hamburg den Weg in eine klimaneutrale Zukunft schaffen wird.

Über die Autorin

Profilbild zu: Janina Grimm

Seit März 2020 leite ich das B2B-Marketing von NEW 4.0 im Cluster EEHH. Ob auf dieser Webseite, bei Twitter, via LinkedIn, auf Fachveranstaltungen und Messen - jeden Tag kann ich über das reden und schreiben, was mich am meisten interessiert: Die Entwicklung innovativer Lösungen für eine ganzheitliche und nachhaltige Transformation unseres Energiesystems. Parallel studiere ich meinen Master in Energy Policy. Diese Kombination aus Praxis und Theorie birgt viele tolle Chancen, meine Kenntnisse im Bereich der Erneuerbaren-Energien-Branche und nachhaltiger Energiepolitik zu vertiefen. (Janina Grimm)

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