Neulich in der Wasserstoffwelt des Jahres 2039

von NEW 4.0 Gastautor, 
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Auszug aus dem Buch "Blockchain im B2B-Einsatz"

Der nachfolgende Text basiert auf dem Prolog des 2019 erschienen Buches „Blockchain im B2B-Einsatz“ von Michael Merz, Geschäftsführer bei der PONTON GmbH. Gegenüber dem Buch hat der Autor den Text an dieser Stelle noch etwas realistischer gestaltet und ihm Wasserstoff statt batterieelektrischer Antriebe zugrunde gelegt.

Foto: Shutterstock

Neulich in der Wasserstoffwelt des Jahres 2039

75XBOBBY wollte gerade eine Abkürzung nach Wacken nehmen, als ihn ein endloser Konvoi anderer RoboCars blockierte. Er hatte nicht erwartet, dass sich so viele hierher verloren – sogar aus Kiel! Das konnte ihm an diesem Morgen tatsächlich noch den Tank-Slot vermasseln.

Sieben Monate lag sein Security Token Offering bereits zurück, und seitdem fuhr 75XBOBBY nun mehrmals im Monat nach Wacken. Seine Holder hatten mit ihm bereits einen guten Schnitt gemacht. Insgesamt waren es 476. Manchmal verkaufte einer Anteile, manchmal kam einer hinzu – aber alles in allem handelte es sich um einen recht ruhigen Kreis von Investoren. 75XBOBBYs Marktkapitalisierung lag bei 2.365 Enercoins – für ein vier Monate altes RoboCar nicht phänomenal, aber doch ganz okay.

Seinen Owner hatte er diesen Morgen beim Zahnarzt abgeliefert. Der Termin war allerdings auf 9:00 Uhr angesetzt, sodass 75XBOBBY aufgrund dieser späteren Zeit eine andere Route nach Wacken gewählt hatte. Trotz der Entfernung von Hamburg, war Wacken am Morgen der beste Ort zum Tanken, denn der Wasserstoff sollte dort den ganzen Tag nahezu kostenlos sein. In der Nacht hatte es gestürmt, daher waren auch die allerletzten Bleibatterien in der Region randvoll aufgeladen. Und alle Elektrolyseure liefen bereits auf Hochtouren. Bis Mittag waren sogar noch fünf Windstärken aus Nordwest angesagt.

Einzig diese Kolonne aus Kiel machte ihm einen Strich durch die Rechnung – zu große Nachfrage war Gift für die Preise und 75XBOBBY könnte zudem seinen Slot verpassen! Seit ein paar Wochen zapfte er einen Tank direkt bei einem Windpark an, der sich etwas außerhalb von Wacken befand. Heute jedoch musste er spontan einen neuen 15-Liter-Slot reservieren, denn der Zahnarzttermin war ungeplant dazwischengekommen. Zum Glück hatte er seinen ursprünglichen um 7:50 Uhr intraday mit geringem Verlust an 75XXXJULIA verkaufen können.

Für 75XBOBBY war das oberste Ziel, seinen Holdern eine vernünftige Rendite zu liefern. Dazu gehörten auch Entscheidungen wie an diesem Morgen: kurzfristig noch Slots handeln und dabei möglichst viele Enercoins einsammeln. Und notfalls zum Tanken eben noch etwas weiter aufs Land zu fahren. Direktes Anzapfen der Windanlagen bot den großen Vorteil, dass der Wasserstoff zu minimalen Preisen bezogen werden konnte – also kein Netznutzungsentgelt, keine Umlagen, keine Transportkosten, nur Mehrwertsteuer auf fast nichts. Dafür hatte sich 75XBOBBY sogar seinen Tank kürzlich auf 20 Liter aufstocken lassen.

Früher gabe es "Einspeisemanagament"

Früher mussten die Windanlagen immer abgeschaltet werden, wenn sie zu viel produzierten – „Einspeisemanagement“ nannten sie dies damals voller Euphemismus. Eigentlich hätte man diese Maßnahme „Kapitalvernichtung“ nennen sollen. Der Strom konnte damals nicht durch die Netze abtransportiert werden, sie waren einfach nicht auf eine dezentrale Stromproduktion ausgelegt. Man hatte lange überlegt, ob die Netze ausgebaut werden sollten, allerdings hätte dies zig Millionen Enercoins gekostet (damals, in der Zeit der Fiat-Währungen, waren dies über 50 Milliarden Euro).

Aber warum stattdessen nicht die Verbraucher zu den Engpässen bringen, wo auch immer sie auftraten? Autos standen doch die meiste Zeit untätig herum! Es hatte aber doch etwas gedauert, bis man verstanden hat, dass Wasserstoff das ideale Bindeglied zwischen der Strom- und der Mobilitätswelt ist. Insofern schlug sich jede Änderung der Wetterprognose sofort als Änderung des Straßenverkehrs nieder. Man konnte die Uhr danach stellen: Sobald eine aktualisierte Wetterprognose Wind über 20 km/h ankündigte, waren die Autobahnen keine zehn Minuten später in Richtung Küste verstopft.

Leere RoboCars auf vollen Straßen

Die wenigen Menschen, die noch selbst fuhren, hatten sich im Übrigen daran gewöhnt, überall im Stau leere RoboCars um sich zu sehen, wenn diese sich wie eine Lawine aufs Land wälzten. Anfangs hatte man tatsächlich überlegt, Plastikpuppen auf dem Fahrersitz aufzublasen, damit Menschen sich auf den Straßen nicht zu verlassen fühlten, aber nachdem RoboCars irgendwann auch keine Fahrersitze mehr hatten, wurde die Idee ad acta gelegt.

Inzwischen hatte 75XBOBBY Wacken erreicht. Er dockte an einem Füllstutzen an und verweilte hier eine Viertelstunde. Der Wasserstoff reichte bis Ende des Monats, und im Laufe des Tages konnte er noch ein paar bezahlte Fahrten machen, bis er gegen 18:00 Uhr seinen Owner wieder vom Büro abholen würde.

Das Buch

Das neue Buch von ​Michael Merz ist nicht einfach nur ein weiteres Blockchain-Buch – es ist der Erfahrungsbericht eines ​Experten, der beide Seiten kennt: Die Technologie und die Anwendung der Blockchain. Unter folgendem Link kann eine Leseprobe heruntergeladen werden: https://blockchain-b2b-book.com/

Über den Autor

Michael Merz kann auf über 30 Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Er hat Informatik und Wirtschaftswissenschaften studiert und im Bereich Informatik promoviert. Als Unternehmer, Berater und IT-Experte beschäftigt er sich seit 15 Jahren mit der B2B-Integration in der europäischen Energiewirtschaft. Michael Merz ist zudem seit vielen Jahren Experte im Bereich „Blockchain“ und Initiator internationaler Projekte wie z.B. Enerchain und Gridchain sowie ​​an ​Forschungsprojekten wie ​NEW 4.0 und ETIBLOGG ​beteiligt.

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