Interview: Heiko Gröpler von der DGB Nord zur assoziierten Partnerschaft mit NEW 4.0

von Hanna Naoumis, 
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Seit diesem Jahr ist der DGB-Bezirk NORD assoziierter Partner von NEW4.0. Gemeinsam vertreten der Bund der Gewerkschaften und die Mitgliedsgewerkschaften die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmer/innen. Heiko Gröpler, Leiter der Abteilungen Struktur-, Industrie- und Dienstleistungspolitik, hat uns einige Fragen zu NEW4.0 und zu energiewirtschaftlichen Fragen beantwortet.

Der DGB Nord bekennen sich schon lange zu klaren und verbindlichen Klimaschutz- und Nachhaltigkeitszielen. Nun sind Sie assoziierter Partner des Projektes NEW 4.0. Was war Ihre Motivation, ein aktiver Teil der Norddeutschen EnergieWende zu werden?

Die Gewerkschaften sind davon überzeugt, dass in der Energiewende einmalige beschäftigungs- und industriepolitische Chancen für den Erhalt und die Schaffung zukunftssicherer Arbeitsplätze hier im Norden liegen. Die Energiewende muss allen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit gerecht werden: der ökologischen, der ökonomischen und der sozialen - sie muss also regenerativ, sicher und wettbewerbsfähig, aber eben auch bezahlbar sein. Denn die Energiewende hat Auswirkungen auf die Beschäftigten. Daher werden wir deren Sicht in das Projekt einbringen, damit es gelingt.

Ihr Fokus richtet sich dabei worauf?

Wir werden in diesem Projekt auch den industriepolitischen Blick schärfen: Welche Wertschöpfungsketten können hier im Norden neu entstehen oder auch wieder geschlossen werden? Und das bezieht sich dann eben nicht nur auf den Energieverbrauch, sondern auch auf die Energieerzeugung, z.B. Anlagenbauer im Windenergie- und Speicherbereich. Wir würden uns freuen, wenn wir in der Verknüpfung von Energieerzeugung und -verbrauch ein weltweit beachtetes Vorreiterprojekt im Norden schaffen. Das alles motiviert uns. Damit das Projekt gelingt, brauchen wir alle zusammen auch eine Menge Rückenwind aus der Politik. Dafür werden auch wir sorgen.

Der DGB Bezirk Nord befasst sich viel mit Themen der erneuerbaren Energien, z.B. werben Sie für die Akzeptanz der Energiewende bei der Bevölkerung und treten für eine sichere Energieversorgung ein. Was sehen Sie als Ihre Hauptaufgaben im Projekt NEW 4.0?

Die beschäftigungs- und industriepolitischen Aspekte hatte ich ja bereits angesprochen. Aber wenn die Energiewende gelingen soll, müssen die Beschäftigten wissen, was auf sie zukommt: Welche Aus- und Weiterbildungsbedarfe ergeben sich aus der Energiewende in den Betrieben? Welche Auswirkungen hat die Umsetzung der Energiewende auf Produktionsprozesse und ggf. auch auf die Schichtplangestaltung? Welchen Herausforderungen werden sich Beschäftigte und ihre Interessenvertretungen im Zuge der Energiewende und veränderten Prozessen in den Betrieben stellen müssen? Alles Fragen, die nach Antworten suchen. Arbeit sicher, auskömmlich, gesund und zukunftssicher zu gestalten, auch unter den Bedingungen der Energiewende, das ist eine Hauptaufgabe für alle Partner.

Sie befassen sich vor allem mit Struktur- und Industriepolitik – inwieweit kommen Sie in Hamburg und Schleswig-Holstein in Ihrem Aufgabenfeld mit Themen der erneuerbaren Energien in Kontakt?

Auf vielfältige Art und Weise: Das reicht vom Busfahrer und der Kfz-Mechatronikerin, die sich auf veränderte Antriebe und Energiequellen einstellen müssen, über die Betriebselektriker in den energieintensiven Betrieben, die mit volatiler Energie auch in Zukunft in der Praxis Produktionsprozesse sicher gewährleisten müssen, bis hin zu den Forscherinnen in den Entwicklungsabteilungen, die neue Antworten finden. Quer über alle Branchen ziehen sich die Themen, schließlich vertreten wir mehr als 400.000 Mitglieder aus unterschiedlichsten Branchen und Betrieben: Von den Windenergieanlagenherstellern über Netzbetreiber und Versorgungsunternehmen bis hin zu etlichen energieintensiven Großbetrieben, sei es aus der Chemie-, Metall-, Papier- oder auch Ernährungsindustrie.

In unserem Projekt arbeiten wir in verschiedenen Arbeitspakten. Sie sind vor allem im Bereich Aus- und Weiterbildung engagiert. Welche größten Herausforderungen erkennen Sie in der erneuerbaren Energien-Branche?

Ob als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter oder als Betriebsräte: Wir sind als Sozialpartner nicht nur Mitglied der Gremien und Institutionen, die u.a. Aus- und Weiterbildung gestalten, neue Berufsbilder entwickeln, berufliche Bildungsbedarfe ermitteln und berufliche Anpassungspotentiale erarbeiten, sondern wir sind auch in vielen Fällen wesentliche Treiber. Die Herausforderung ist zweifellos, Aus- und Weiterbildung so zu gestalten, dass unsere Kolleginnen und Kollegen auch bei den anstehenden Veränderungen eine Zukunft haben. Das erfordert zielgerichtete Weiterbildungen, eine breite und tragfähige Erstausbildung und natürlich auch die guten Rahmenbedingungen, um die Akzeptanz für die notwendigen Veränderungsprozesse herzustellen.

 

Über den Interviewten

Heiko Gröpler (45) leitet seit 2013 die Abteilungen Struktur-, Industrie- und Dienstleistungspolitik sowie Arbeitsmarktpolitik beim DGB Nord, dem Dachverband der acht DGB Mitgliedsgewerkschaften im Norden mit mehr als 400.000 Mitgliedern. Als gelernter Industrieelektroniker, Volkswirt und Sozialökonom beschäftigte er sich im Studium u.a. mit Umweltökonomie und Transformationsprozessen.

 

Über die Autorin

Profilbild zu: Hanna Naoumis

Seit Anfang 2017 arbeite ich als B2B-Marketing Managerin von NEW 4.0 im Cluster EEHH. Ob auf dieser Webseite, bei Twitter, via Xing, auf Fachveranstaltungen und Messen - jeden Tag kann ich über das reden und schreiben, was mich am meisten interessiert: Die Entwicklung von innovativen Lösungen zum Voranbringen der Energiewende, des Klimaschutzes und damit einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft.

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