Im Interview: Luisa von Lonski von Hamburg Energie GmbH

von NEW 4.0 Gastautor, 
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Mit insgesamt fünf Projekten arbeitet die Hamburg Energie GmbH am Großprojekt NEW 4.0 mit. Mit diesen ist Hamburg Energie im Arbeitspaket Informations- und Kommunikationstechnologie aktiv, dass alle relevanten, im Projekt vertretenen Teile, zu einem aktiven Gesamtsystem vernetzen wird. Luisa von Lonski berichtet im Interview über die geplante IKT-Plattform.

Was war der Anlass dafür, eine „Energie IKT Plattform“ zu entwickeln?

Heute müssen Virtuelle Kraftwerke oder Anlagenleitsysteme eine Vielzahl an Kommunikationsverbindungen aufbauen, um an den unterschiedlichen Märkten für Energie und Systemdienstleistungen teilzunehmen. Die Anzahl wird sich perspektivisch noch steigern, wenn neue wie zum Beispiel lokale Marktplätze hinzukommen. Daraus ist die Idee entstanden eine EnergiePlattform zu entwickeln, die es mit einer einzigen Verbindung ermöglicht alle Produkte und Use Cases zu bedienen. 

Welche Komponenten wird die IKT-Plattform umfassen?

Die EnergiePlattform besteht im Wesentlichen aus einer Markt-Plattform und einer Fernwirk-Plattform. Auf der Markt-Plattform finden sich Angebot und Nachfrage. Der Anbieter und der Nachfrager eines Produkts schließen einen elektronischen Vertrag. Auf der Fernwirkebene werden Sollwerte bzw. Fahrpläne und andere Daten zwischen den Virtuellen Kraftwerken (Leitsystemen) der einzelnen Marktakteure ausgetauscht, was letztendlich zum tatsächlichen Steuern der Anlage und damit zu Erbringung des Produkts auf Anlagenebene führt. Dies wird durch Standardisierung ermöglicht. Dazu zählt beispielsweise die Einigung auf ein Fernwirkprotokoll, auf eine Mindestdatenpunktliste und auf einen Sicherheitsstandard.

Grafik: EnergiePlattform von Hamburg Energie
EnergiePlattform NEW4.0

Welche Akteure sind an der Plattform beteiligt?

Die Akteure lassen sich in Anbieter von Produkten, Nachfrager von Produkten und Dienstleister klassifizieren. Zu den Anbietern zählen Betreiber von Virtuellen Kraftwerken und von Anlagen sowie perspektivisch Endkunden in der Rolle von Prosumern. Nachfrager von Produkten sind Übertragungsnetzbetreiber, Verteilnetzbetreiber, Lieferanten, Händler sowie Bilanzkreisverantwortliche. Messstellenbetreiber, Prognosedienstleister, Optimierungsdienstleister, Direktvermarkter, Anbietern von Regelenergiepools zählen unter anderen zu der Klasse der Dienstleister.

Welche Hauptfunktionen soll die Plattform erfüllen?

Die Hauptfunktion der EnergiePlattform ist ein über eine dynamische Aggregation ermöglichtes Steuern und Handeln unter Gleichgestellten (Peer-To-Peer). Theoretisch ist es möglich, dass jeder Akteur mit jedem Teilnehmer an der Plattform handelt und sich daraufhin von diesem Akteur auch steuern lässt.

Was ist der „elektronische Vertrag“? Zwischen welchen Akteuren wird dieser geschlossen?

Der elektronische Vertrag ist als eine Art elektronische Signatur zu verstehen, welche unter anderem die Information über den Zeitraum, den Standort, den Preis und den Umfang des Produkts enthält, auf den sich zwei Marktakteure geeinigt haben. Der elektronische Vertrag stellt das Bindeglied zwischen der Markt- und Fernwirk-Plattform dar. Er bewirkt automatisch nach Abschluss die Öffnung des Vertragstors des jeweiligen Anbieterleitsystems (Virtuellen Kraftwerkes). Dem Nachfrager ist jetzt möglich für den im Vertrag definierten Zeitraum dem Anbieter Sollwerte bzw. Fahrpläne vorzugeben, sofern diese noch nicht im Vertrag definiert sind.

Welche Vorteile hat die IKT-Plattform ggü. der aktuellen Situation auf dem Energiemarkt?

Ein wesentlicher Vorteil ist, dass es nur einer einzelnen Verbindung für alle Produkte und Systemdienstleistungen bedarf. Dies ermöglicht den Akteuren außerdem sich auf ihre Kernkompetenz zu konzentrieren, da sie sich nicht bei jedem neuen Vertragsabschluss oder Anbieten eines anderen Produkts um eine weitere kommunikationstechnische Anbindung bemühen müssen.  Durch den Abbau von Markteintrittsbarrieren wird auch Akteuren, die bisher an bestimmten Märkten noch nicht teilgenommen haben, eine Teilnahme ermöglicht. Dadurch lassen sich langfristig die Anzahl an Flexibilitätsanbietern sowie die Markteffizienz steigern.

Was ist das nächste Etappenziel im Projekt?

Das nächste Etappenziel ist ein Show Case zu entwickeln und dafür einen Demonstrator zu bauen. Zusammen mit NEW 4.0 Partnern, die potentielle Marktakteure darstellen, sollen im Zuge dessen die Grundprinzipien der Plattform unter Beweis gestellt und weiterentwickelt werden.

Im Interview

Profilbild von Luisa von Lonski

Luisa von Lonski arbeitet seit Anfang 2017 bei der Hamburg Energie GmbH im Projekt NEW 4.0 als Smart Grid Ingenieurin im Bereich Produktion. In diesem Bereich wird neben der Projektierung und Betriebsführung regenerativer Energieanlagen für Strom und Wärme, das Leitsystem des Virtuellen Kraftwerks im Rahmen verschiedener Projekte erforscht.

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