Hamburger Modell für Geflüchtete nun in der „Champions-League der Integrationsprojekte“

von Hanna Naoumis, 
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Projekt von ZEWU und DBU erfolgreich abgeschlossen – 37 Personen für Umweltberufe qualifiziert und in Arbeitsmarkt integriert

Seit Juli 2016 wurden 37 Geflüchtete mit technischen Vorerfahrungen im Modellprojekt „Zukunftsperspektive Umwelthandwerker – Kompetenzfeststellung und Weiterbildung für Flüchtlinge" für Umweltberufe qualifiziert. Nach zwei Jahren zogen das Zentrums für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik (ZEWU) an der Handwerkskammer Hamburg und die Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in einer Transferveranstaltung am 21. August 2018 Bilanz.

Montageübung nach Unterrichtseinheit Photovoltaik (2017). Foto: HWK Hamburg

So gelingt Integration von Flüchtlingen in Umweltberufe. Zum Ende des Modellprojektes „Zukunftsperspektive Umwelthandwerker – Kompetenzfeststellung und Weiterbildung für Flüchtlinge “ im ELBCAMPUS sagt Dr. Kai Hünemörder:

Wir wollten Brücken zwischen Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten und dem Umwelthandwerk in Hamburg bauen. Diese Vision ist nun Realität. Mit unserer Integrationsquote in Ausbildung und Arbeit, der individualisierten Betreuung und dem Kurzpassspiel‘ mit Behörden und Jobcentern spielen wir mittlerweile in der ‚Champions-League‘ der Integrationsprojekte.

Dr. Kai Hünemörder, Leiter des Zentrums für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik (ZEWU) der Handwerkskammer Hamburg

Seit Juli 2016 wurden 37 Geflüchtete mit technischen Vorerfahrungen für Umweltberufe qualifiziert. Die Mehrzahl von ihnen wurde schon vor Projektende in den Arbeitsmarkt für Umwelttechnik integriert. Jetzt stellten die Partner die Erfolgsbilanz des Projektes in Hamburg vor, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mitinitiiert sowie fachlich und finanziell unterstützt wurde. Zur Eröffnung der Veranstaltung im ELBCAMPUS sprach Senatorin Melanie Leonhard von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration ein Grußwort.

Zum Projektstart wurden 100 Interessierte zu beruflichen Perspektiven im Bereich der erneuerbaren Energien beraten. Daraus starteten 37 Teilnehmer aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Somalia und Eritrea in zwei fünfmonatige Förderkurse und Fachlehrgänge Umwelttechnik mit begleitendem Spracherwerb. Dazu gehörten etwa fachspezifischer Wissens-Erwerb, Methoden der Wissensaneignung, umwelttechnische Werkstattübungen und Betriebsbesuche im Themenfeld Energie und Umwelt.

Übergeordnetes Ziel des Projektes war und ist es, in der Umwelttechnik ein übertragbares Modell der Kompetenzfeststellung und mehrstufigen Weiterbildung von geflüchteten Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten umzusetzen.

Dr. Kai Hünemörder

Ein Schlüssel zum Erfolg sei die zielgerichtete Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit, den Jobcentern sowie dem NOBI Netzwerk und den Hamburger Trägern der Flüchtlingshilfe. So hätten durch den kultursensiblen Einsatz von Projektleiter Haiko Hörnicke für fast alle Kursteilnehmer konkrete Perspektiven erarbeitet werden können.

Experimenteller Unterricht Windkraft (2017)


22 Teilnehmer fanden schon im Projektverlauf ihren Weg in die Umwelttechnik, beispielsweise als Techniker Kälte- und Klimasysteme, als Leitung einer Biogasanlage oder als Fachkraft Gebäudeleittechnik. Drei von ihnen berichteten von ihren Erfolgen: Moutassem Al Attwanee kam 2016 aus Syrien, hatte dort Ingenieurwissenschaften für Maschinenbau und Elektrotechnik studiert. Seine Abschlüsse wurden in Deutschland anerkannt. Er sagte: „Mein größtes Ziel ist es, professionelle Arbeit als Maschinenbauingenieur in Deutschland zu finden. Im Rahmen des Projektes kam Al Attwanee zur Bärenkälte GmbH. Nach weiteren Fortbildungen stellt ihm die Firma eine Anstellung als technischer Zeichner für Kälteanlagen in Aussicht, mit der Perspektive, als Ingenieur oder Projektmanager zu arbeiten.

Salahodin Ashrafi hatte im Iran eine Ausbildung und ein Studium in Maschinenbau absolviert, sie wurden teilanerkannt. Im Projekt lernte er technisches Deutsch und orientierte sich in Richtung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Er lernt nun alles über moderne Anlagenmechanik in einer Ausbildung bei der Sager & Deus GmbH. Ashrafi: „Die Ausbildung ermöglicht es mir, auch in Deutschland wieder in meinem erlernten Beruf zu arbeiten. Darüber bin ich sehr froh.“ Saad Al Abed Al Latef, der in Syrien Energietechnik studiert hatte, machte ein Praktikum bei der FM Technik GmbH – mit sehr guten Leistungen. Er hat dort jetzt einen Arbeitsplatz als Programmierer.

Wir müssen nicht mit den anderen identisch sein, um uns gut integrieren zu können.

Saad Al Abed Al Latef


Das Projekt „Zukunftsperspektive Umwelthandwerker“ ordnet sich in das DBU-Sonderprogramm „Umwelt und Flüchtlinge“ ein. DBU-Referatsleiterin Verena Exner hob hervor: „In dem Projekt wurde das Programm-Ziel besonders gut erreicht, indem die dringend notwendige Berufsqualifizierung in umwelttechnischen Berufen mit der Integration von geflohenen Menschen im Umfeld der Energiewende verknüpft wurde. Das Projekt zeigt, wie positiv Migration für unsere Wirtschaft, aber auch in unsere Gesellschaft wirken kann. So ist es möglich, dass die Teilnehmer nun schrittweise selbstbestimmt leben und arbeiten und selbst aktiv an ihrer Integration mitwirken.“

„Zukunftsperspektive Umwelthandwerker“ ist als „Projekt Nachhaltigkeit 2018“ ausgezeichnet worden. Das etablierte Qualitätssiegel wird im Herbst verliehen von den Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) in Kooperation mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE).

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Über die Autorin

Profilbild zu: Hanna Naoumis

Seit Anfang 2017 arbeite ich als B2B-Marketing Managerin von NEW 4.0 im Cluster EEHH. Ob auf dieser Webseite, bei Twitter, via Xing, auf Fachveranstaltungen und Messen - jeden Tag kann ich über das reden und schreiben, was mich am meisten interessiert: Die Entwicklung von innovativen Lösungen zum Voranbringen der Energiewende, des Klimaschutzes und damit einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft.

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