Für eine gesellschaftlich getragene Energiewende in Norddeutschland - Neues aus der Akzeptanzforschung bei NEW 4.0

von Janina Grimm, 
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Am Dienstag, den 20. Mai 2020, hatten wir unser erstes NEW 4.0-Webinar zum Thema "projektbegleitende Akzeptanzforschung". Isabel Guzic, verantworlich für die NEW 4.0 - Akzeptanzforschung, präsentierte den rund 80 zugeschalteten Teilnehmer*innen die wichtigsten Erkenntnisse, die sich aus der aktuellsten repräsentativen Online-Erhebung ergeben. Eine kurze Zusammenfassung finden Sie nun hier auf unserem Blog!

Rechte: HAW, NEW 4.0

NEW 4.0 ist ein Praxisgroßtest, der erproben soll, wie die Energiewende mit Hamburg und Schleswig-Holstein als Modellregion gelingen kann. 60 Partner beteiligen sich am Projekt und testen innovative Schlüsseltechnologien für ein klimafreundliches Energiesystem der Zukunft.

In NEW 4.0 geht es aber nicht nur um technische Fragestellungen. Es wird regelmäßig auch die Bevölkerung in Norddeutschland nach ihrer Einstellung zur Energiewende befragt. Denn für den Erfolg zukunftsweisender Energieprojekte ist der konstante Austausch mit und die Unterstützung von Bürgerinnen und Bürgern entscheidend.

Welche Erkenntnisse über die letzten drei Jahre hierbei gewonnen wurden und was die aktuellste repräsentative Online-Umfrage ergeben hat, präsentierte uns während eines kompakten morgendlichen Webinars letzten Dienstag, den 18. Mai 2020, Isabel Guzic, verantwortlich für die projektbegleitende Akzeptanzforschung von NEW 4.0.

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick

  • 2019 waren Umwelt-, Klimaschutz und Energiefragen Top-Thema. Nichts schien für die norddeutsche Bevölkerung wichtiger mit Blick auf die Entwicklung Deutschlands zu sein. Das war im Vorjahr 2018 noch anders. Hier belegten „Klima, Umwelt, Energie“ nur Platz 3 des Rankings.
  • Trotz verstärkter Recherche sind die Hintergründe zur Energiewende für die Hälfte aller Befragten nur teilweise verständlich. Das hängt mit ihrer medialen Aufbereitung zusammen.
  • Soll die Energiewende gelingen, braucht es nach Meinung der Befragten vor allem mehr und bessere Ökostromspeicher, einen intensiveren Ausbau von Solar- und Windkraft sowie adäquatere politische Rahmenbedingungen.
  • Windräder gehören für einen Großteil (60 Prozent) der norddeutschen Bevölkerung zur Landschaft dazu. Von den tausend Befragten aus Schleswig-Holstein und Hamburg gaben 37 Prozent an, in direkter Nachbarschaft mit Windenergieanlagen zu leben. 7 Prozent dieser Menschen fühlen sich dadurch stark beeinträchtigt.
  • Finanzielle Anreize und weniger Hürden für die eigene Ökostrom- und Wärmeerzeugung sind wichtige Maßnahmen, um die persönliche Einstellung zum Ausbau der erneuerbaren Energien positiv zu verstärken.
  • Nach Meinung der Norddeutschen birgt die Energiewende für die Bundesrepublik eher Vorteile als Nachteile. Allerdings zeichnet sich ein rückläufiger Trend ab: während 2018 noch 72 Prozent diese Ansicht teilten, waren es 2019 nur noch 61 Prozent. Wenn es um die Bewertung ihrer eigenen, persönlichen Vorteile durch die Energiewende geht, schätzen sie diese grundsätzlich geringer als für ganz Deutschland ein. Von 2018 auf 2019 war auch hier eine Abwärtsentwicklung zu verzeichnen, nämlich von 50 auf 42 Prozent.
  • Mit der Energiewende sind vielzählige Ziele verbunden. Die Umfrageteilnehmer identifizierten den Schutz der Lebensgrundlage für zukünftige Generationen und auch die Gewährleistung der Versorgungssicherheit als wichtigste Ziele. Es folgen die CO2-Minderung und die langfristige Senkung der Energiekosten.
  • An der Erreichung dieser Schlüsselbausteine hegen viele Befragte jedoch Zweifel. Am wenigsten glauben sie an eine zukünftige Kostensenkung. Die Skepsis an der übergreifenden Machbarkeit wurde zwischen 2018 und 2019 größer.

Fazit

Die Erhebung hat in ihrer Gesamtheit ergeben, dass sich die folgenden Faktoren und Maßnahmen positiv auf die Akzeptanz der Bürger*innen auswirkt: 

  • Interesse an neuen innovativen Technologien im Bereich erneuerbare Energien;
  • Interesse an erneuerbaren Energien & Klimapolitik;
  • beschleunigter Rückbau von Kohle- und Kernkraft;
  • finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten;
  • finanzielle Anreize für Anwohner von Erneuerbare-Energien-Anlagen;
  • Windenergieanlagen im eigenen Wohnumfeld

Negative Auswirkungen auf die Bürgerakzeptanz haben:

  • keine Gespräche im Umfeld über erneuerbare Energien;
  • die negative Bewertung erneuerbarer Energien in Gesprächen im Umfeld;
  • Unkenntnis des Begriffs „Energiewende“

Weitere Details entnehmen Sie der Präsentation oder der Webinar-Aufzeichnung.

Webinar - Neues aus der Akzeptanzforschung

Über die Autorin

Profilbild zu: Janina Grimm

Seit September 2019 unterstütze ich als studentische Hilfskraft das gesamte Team des Clusters für Erneuerbare Energien Hamburg bei der Entwicklung, Umsetzung und Nachbereitung vielfältiger Fachveranstaltungen. Parallel studiere ich meinen Master in Energy Policy. Diese Kombination aus Praxis und Theorie birgt viele tolle Chancen, meine Kenntnisse im Bereich der Erneuerbaren-Energien-Branche und nachhaltiger Energiepolitik zu vertiefen. (Janina Grimm)

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