Flexibler waschen zu klimafreundlichen Konditionen und günstigen Strompreisen

von Janina Grimm, 
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Das NEW 4.0 Teilprojekt der Stadtwerke Norderstedt

Der NEW 4.0-Partner „Stadtwerke Norderstedt“ arbeitet als einer der ersten Versorger Deutschlands an einem dynamischen und preislich attraktiven Stromtarif für Haushaltskunden. Übergeordnetes Ziel des Vorhabens ist die hundertprozentige Versorgung von Schleswig-Holstein und Hamburg mit erneuerbaren Energien mit voranzutreiben.

Foto: Stadtwerke Norderstedt

Stadtwerke Norderstedt wollen Windstrom retten

Das impliziert die Nutzbarmachung abgeregelter Windenergie, beziehungsweise das Vermeiden von Überkapazitäten. Mit anderen Worten: Stehen die Windräder still, obwohl der Wind weht, sind diese keineswegs kaputt. Vielmehr wird der Strom einfach nicht verbraucht. Diese Situation ist nicht optimal. Deshalb geht es beim Projekt darum, für den gesamten erzeugten Windstrom im Norden des Landes auch immer Abnehmer zu finden.

Bis Ende 2020 soll das Projekt konkrete Ergebnisse darüber liefern, ob es technisch möglich ist dynamische Stromtarife einzuführen, die eine WIN-WIN Situation für Kunde und Energieversorger darstellen. Wichtig ist dabei, dass sowohl die Kunden als auch die Energieversorger wirtschaftlich von dieser Flexibilisierung profitieren.

Beobachtung des Nutzerverhaltens im Haushalt

Gleichzeitig nutzen die Stadtwerke Norderstedt das Projekt auch, um das Verhalten ihrer privaten  Stromkonsumenten zu studieren. Festgestellt wurde bereits, dass eine große Mehrheit der rund tausend Norderstedter Haushalte, die am Pilotprojekt beteiligt sind, ein recht eingefahrenes - und nicht unbedingt klimafreundliches und preissparendes - Verhaltensmuster an den Tag legen. Meist werden Haushaltsgeräte, wie Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler und Co., zu wahllosen Tages-, oder Nachtzeiten eingeschaltet, ungeachtet der angebotenen Strommenge und der daraus unterschiedlich ausfallenden Höhe des Strompreises. Daran möchte die Stadtwerke Norderstedt etwas ändern.

Deshalb erprobt sie im Zuge des Teilprojektes nicht nur marktwirtschaftliche Mechanismen, sondern auch den Einsatz von extern gesteuerten Steckdosen in privaten Haushalten. Damit soll es ihren Kunden so einfach wie möglich gemacht werden, sich an die naturgegebenen Peak-Zeiten der erneuerbaren Energien (hier vor allem Wind) anzupassen und dabei auch noch Stromkosten einzusparen. Rund 120 Euro im Jahre könnten die Kunden der Stadtwerke Norderstedt dabei sparen.

Waschen, wenn der Wind stark weht

Hier gibt es zwei grundlegende Funktionsvarianten, die am Beispiel eines Waschmaschinengangs praxisnah erläutert werden sollen:

  1. Kunden programmieren die Waschmaschine, fügen Weichspüler und Waschmittel hinzu, stellen die Waschmaschine auf „Starten“ und schalten die spezielle Steckdose aus. Das erfolgt entweder an der Steckdose selbst, oder wahlweise über die eigens entwickelte „Sparwatt-App“. Danach müssen sich die Kunden im Grunde um nichts mehr kümmern, lediglich warten, bis die Stadtwerke Norderstedt die Steckdosen bei günstigen Windkonditionen anschaltet (der Preis liegt hier bei fünf Eurocent die Kilowattstunde) und sie per Push-Nachricht über das Anschalten der Steckdosen informiert.
  2. Sollte die Waschmaschine über keine Programm-Speicherfunktion verfügen, erhalten die Kunden dennoch die Push-Nachricht, müssen sich dann allerdings im Anschluss darum kümmern, ihre Maschine selbst anzuschalten.

Analog gelten diese beiden Funktionsweisen auch für andere flexibilisierbare Geräte, wie den Trockner oder den Geschirrspüler. 

Stadtwerke programmieren Smartphone-System „homee“ zur intelligenten Steuerung

Laut Thorsten Meyer, Projektleiter der Stadtwerke Norderstedt, schalten sich die Steckdosen für mindestens 60 Minuten ein. Sollten sie sich doch einmal ab der 61. Minute automatisch ausschalten, können die privaten Haushalte über das Smartphone-System „homee“, das die Stadtwerke Norderstedt ihnen kostenfrei zur Verfügung stellen, über das „Homeegramm“ (Kunstwort aus „homee“ und  Programm) gewisse Vorkehrungen schaffen, beziehungsweise alternative Lösungsschritte programmieren. Anleitungen sowie Videos finden sich im Internet im Service-Bereich des NEW 4.0 Teams der Stadtwerke Norderstedt.

Diese Option können jedoch nur die Kunden in Anspruch nehmen, die Geräte mit der Programm-Speicherfunktion besitzen. Im gegenteiligen Fall kann das Ausschalten des Geräts leider technisch gesehen nicht unterbunden werden. Einzige Lösungsmöglichkeit, die sich hier bietet, ist den neuen, vorabberichteten drei-Stunden-Garantie-Tarif für 15 Cent die Kilowattstunde zu bezahlen.

Um hierfür eine noch innovativere Lösung anzubieten, kooperieren die Stadtwerke Norderstedt mit Bosch-Siemens Haushaltsgeräte (kurz BSH), die über ein ausgezeichnetes Knowhow und vielschichtige Expertise im Bereich der Haushaltsgeräte „Made in Germany“ verfügen. 

Kooperation mit BSH – so wird der Waschgang auf jeden Fall zu Ende geführt

Zusammen mit KEO, BSH, MeterPan und den Stadtwerken Norderstedt wurde ein CEM (Customer Elektronic Management System) oder einfach Gateway inkl. der Ansteuerung auf Basis des MQTT Brokers und dem OCPP 1.6 Protokoll entwickelt. Das ermöglicht es der Stadtwerke, die Geräte mit dem virtuellen Drücken des Startbuttons zu starten. Die Steckdosen in diesem speziellen Fall bleiben somit durchgehend an, so dass es zu keinem Abschalten der Steckdosen kommt. Die Maschinen sind somit immer mit Strom versorgt. Das Gateway ist mit der Tarifmaschine (eine selbtsprogrammierte Eigenentwicklung der MetaPAN) gekoppelt und dem einzelnen Kunden zugeordnet, sodass die Steckdose nur den Verbrauch zwecks Rabattierung misst. Dieses Vorgehen ist neu und einmalig.

Die Tarifmaschine ist das System, welches alle „homees“ der tausend Pilotkunden steuert, die insgesamt 4.563 Steckdosen schaltet und sie dabei im Minutentakt ausliest, was wiederum der Abrechnung dienlich ist.

Die BSH unterstützte nicht nur bei dieser technischen Herausforderung sondern sponserte auch vier Geschirrspüler, vier Waschmaschinen und vier Trockner im Wert von über 15.000 Euro zum Testen.

Über die Autorin

Profilbild zu: Janina Grimm

Seit März 2020 leite ich das B2B-Marketing von NEW 4.0 im Cluster EEHH. Ob auf dieser Webseite, bei Twitter, via LinkedIn, auf Fachveranstaltungen und Messen - jeden Tag kann ich über das reden und schreiben, was mich am meisten interessiert: Die Entwicklung innovativer Lösungen für eine ganzheitliche und nachhaltige Transformation unseres Energiesystems. Parallel studiere ich meinen Master in Energy Policy. Diese Kombination aus Praxis und Theorie birgt viele tolle Chancen, meine Kenntnisse im Bereich der Erneuerbaren-Energien-Branche und nachhaltiger Energiepolitik zu vertiefen. (Janina Grimm)

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