Energiewende braucht Windenergie, Akzeptanz und aktive Unterstützung!

von NEW 4.0 Gastautor, 
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Kürzlich titelt Die Zeit-Online „Windkraft – der Totalausfall“ und geht Faktoren auf den Grund, die für den dringend notwendigen, aber sehr schleppenden Ausbau der Windenergie in Deutschland (mit-)verantwortlich sind. Ein wesentlicher Faktor dafür ist – neben aufwändigen Genehmigungsverfahren und unzuträglichen Abstandsregelungen – auch die Klage-Freudigkeit mancher Bürgerinitiativen. Fehlende Anreize für eine aktivere Beteiligung bei der Umsetzung sowie die Komplexität des Themas allgemein mögen Gründe sein.

Roadshow-Exponat. Foto: EEHH

NEW 4.0-Roadshow bringt die Energiewende in die Region

Genau an diesem Punkt setzt die NEW 4.0-Roadshow an. Mit der Wanderausstellung versuchen wir, das Team der NEW 4.0-Akzeptanzförderung am CC4E der HAW Hamburg und der EKSH, mit den Menschen in der Projektregion Schleswig-Holstein und Hamburg ins Gespräch zu kommen – über die Energiewende und damit zusammenhängenden Themen. Wir touren durch den Norden und versuchen, alle Ecken und sehr unterschiedliche Veranstaltungen zu besuchen – von den Windmessen über Rathausmärkte bis zu Digitalisierungs- und Bildungsveranstaltungen.

Uns ist bewusst, dass nicht alle Menschen ein hohes Interesse an Energiethemen mitbringen – weil es viele andere Dinge gibt im Leben, weil die Zusammenhänge nicht immer leicht verständlich sind,… Andererseits geht das Thema uns alle etwas an – weil wir täglich Energie nutzen und weil vielen von uns die Zukunft ihrer Kinder, Nichten und Neffen nicht egal ist.

Wir versuchen also, die Menschen in ihrem Umfeld abzuholen: Im Sommer waren wir nach einem gut besuchten Auftakt beim Sommer des Wissens in Hamburg im Hansa-Park, im September besuchten wir das NORDEN Festival in Schleswig und das Doppel-Jubiläum der Stadtwerke Flensburg, auch das Fachpublikum kam hoffentlich auf seine Kosten bei der Eröffnung eines NEW 4.0-Teilprojekts in Brunsbüttel und bei der HUSUM Wind.

„Reden Sie lieber mit den jungen Leuten…“

Junge Menschen sind die, für die eine zügige Energiewende besonders relevant ist. Das hat uns Anfang der Jahres ein Besucher älteren Semesters mal wieder mit auf den Weg gegeben: „Wirklich schön, was Sie da machen“, sagte er uns. Aber er lebe 2035 nicht mehr, wir sollten doch lieber mit den Jungen reden – und zeigte auf seine Enkel.

Das nehmen wir uns seitdem doppelt zu Herzen und gehen mit der Unterstützung von Partnern auch noch gezielter auf Schulen zu. Manchmal ist das Interesse von Lehrern leider sehr verhalten – mit dem Verweis auf starre Lehrpläne und recht stark vorgegeben Themenblöcken. Dabei zeigen die erfolgreichen Schulbesuche an unserem Modell, dass das sehr wohl möglich ist – mit vielen richtig spannenden Diskussionen. Und dass mit den Schüler*innen aus Norddeutschland sehr wohl richtig gut informierte Profis in den Startlöchern stehen – anders als Christian Lindner sagt –, beweist ihre Wahrnehmung der Umgebung mit der Belastung durch die aktuelle Energieversorgung: Am Strand in der Nähe von Brookdorf hat das Wasser karibische Temperaturen, wie ein Schüler uns erzählte. 

Energiewende anders erzählen

Wir versuchen in unseren Gesprächen zum Projekt NEW 4.0, aber auch deutlich darüber hinaus, den Fokus auf Potentiale und Faszinierendes zu legen und auch umfassende, neutrale Fakten zu nennen. Anders, als wir es oft in Medien oder auf Veranstaltungen wahrnehme – dort nämlich: Energiewende ist teuer und es wird unbequemer. Nicht selten können wir Aha-Effekte bei unseren Gesprächspartner*innen beobachten, bspw. wenn wir erzählen, dass mehr Vögel durch Fensterscheiben ums Leben kommen als durch Windenergieanlagen. Oder dass eine Kilowattstunde Windstrom schon seit Jahren günstiger ist als Kohle – wenn alle externen Kosten internalisiert werden, wie bspw. Gesundheitskosten oder Entsorgungskosten nuklearer Abfälle für die Volkswirtschaft. Auch die Ergebnisse unserer Kolleginnen der NEW 4.0-Akzeptanzforschung sind erfreulich, wie wir finden:79,1% der jungen Menschen zwischen 18 und 19 Jahren gaben an, dass Windenergieanlagen für sie zum Landschaftsbild dazugehören. Dass Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen nicht nur Theorie und Zukunftsmusik ist, unterstreichen wir mit Praxisbeispielen, Zwischenergebnissen und NEW 4.0-Demonstratoren. Aber auch damit, dass junge Menschen wie auch Quereinsteiger gute Jobaussichten haben, wie ebenfalls NEW 4.0-Ergebnisse belegen.

Wanted: Ideen

Wir sind noch bis Spätsommer 2020 auf Tour durch den Norden und freuen uns über Ideen für unsere kommende Route. Unser Team der Akzeptanzförderung in Hamburg am CC4E kann nicht bei allen Detailplanungen vor Ort den Hut aufhaben. Aber wir stehen sehr gerne als Brainstorming-Partner*in bei den Vorbereitungen für Veranstaltungen rund um die NEW 4.0-Roadshow zur Verfügung und unterstützen natürlich bei der regionalen Pressearbeit. In diesem Sinne freuen wir uns über die aktuelle Station in Neumünster und danken dem Team im Rathaus für die Zusammenarbeit!

Kommende Stationen:

Neumünster: Vom 23.-30.09.2019 ist die Roadshow zu Gast im Rathaus Neumünster. Auf dem Programm stehen verschiedene Vorträge, auch Schulklassen kommen zu Besuch.

Kiel: Bei den zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit ist die Roadshow Teil der Ausstellung „SH als Energiewendeland“. Im Anschluss sind wir vom 4.-18.10.2019 beim DGB Nord im Haus der Gewerkschaften in Kiel.

Geesthacht: Vom 28.10.-08.11.2019 steht die Roadshow beim NEW 4.0-Projektpartner Vattenfall, konkret im Infozentrum in Krümmel. Die Öffentlichkeit und insbesondere junges Publikum sind eingeladen.

Lübeck: Ende November sind wir bei unserem Projektpartner HanseWerk zu Gast bei einer Betriebsversammlung.

Autorin

Laura Welle, M.Sc. Nachhaltigkeitswissenschaft
Akzeptanzförderung NEW 4.0 / Akzeptanzforschung X-Energy/X-Radar

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