Editorial Oktober 2018

von Jan Rispens, 
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Der neue IPCC Klimaschutzbericht, der untersucht wie sich ein Temperaturanstieg von 1,5 statt 2 Grad auf unsere Gesellschaft auswirkt, hat in diesen Tagen Aufsehen erregt. Aber welche relevanten Aussagen für das Konsortium NEW 4.0 verbergen sich in dem Bericht?

Der Bericht zeigt einerseits auf, dass es durchaus mit vertretbarem Aufwand möglich ist, das 1,5 Grad Ziel noch zu erreichen. Aber die Untersuchungen zeigen auch, dass wir konsequent daran arbeiten müssen, bis 2030 in allen gesellschaftlichen Sektoren die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren. Dies kann nur gelingen, wenn alle Sektoren konsequent und intelligent miteinander gekoppelt werden: Erneuerbar produzierter Strom muss im Wärme- und im Verkehrssektor eingesetzt werden und die Industrie stärker als bisher erneuerbare Energie nutzen.

Genau dies ist der Ansatz von NEW 4.0 - beispielhaft in der Region Schleswig-Holstein und Hamburg zu erproben, wie eine konsequent durchgeführte Sektorenkopplung funktionieren kann, so dass Großstädte, ländliche Gebiete und Industrieunternehmen gemeinsam eine stabile Versorgung mit hohem Anteil erneuerbare Energien erreichen. Auch wenn es sich um ein modellhaftes Vorgehen handelt, sind wir im Konsortium NEW 4.0 zuversichtlich, so eine Blaupause für ein künftiges Energiesystem zu entwickeln.

Über den Autor

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Seit Gründung in 2011 ist Jan Rispens, als gelernter Elektrotechnik-Ingenieur, Geschäftsführer der EEHH Clusteragentur und seit 20 Jahren aktiv im Bereich nachhaltige Energieversorgung und Klimaschutz.

1 Kommentar zu "Editorial Oktober 2018"

KG_2012

Sehr geehrter Herr Rispens, vielen Dank für diesen kurzen interessanten Artikel. Aber vielleicht können Sie mir kurz ein paar Fragen beantworten, zu denen ich bisher keine Antworten gefunden habe. Eine ideologiefreie Diskussion und Lösungsfindung in der folgenden gedanklichen Richtung halte ich für eine zentrale Frage, ob wir den Klimawandel aufhalten können oder nicht!
Wenn heute ein Fass Erdöl, Erdgas oder Kohle irgendwo auf der Welt gefördert wird, wird es auch verkauft, unabhängig davon wo (weltweit) es dann verkauft und verbrannt wird! Ist es realistisch vorstellbar, dass bis 2050 z.B. die OPEC, Russland, die USA, verschiedenen Ländern in Europa, verschiedene lateinamerikanische Staaten oder verschiedene afrikanische Staaten kein Öl oder Gas mehr fördern und damit ihr BIP (Bruttoinlandsprodukt) einbricht? Was würde es für die weltweiten Finanzmärkte bedeuten, wenn wir in den nächsten drei Jahrzehnten signifikant Öl, Kohle und Gas auf der Produktionsseite einsparen, damit sie nicht verbrannt werden? Was ist die Folge, wenn das heutige ökonomische System der erdölproduzierenden Unternehmen, Staaten, Rohstoffmärkten und Investoren (von privaten Investoren bis staatliche Rentenkassen) alles tun wird, um einen signifikanten Absatzeinbruch an seinen Produkten zu verhindern? Was würde es für die Weltökonomie - den Märkten - bedeuten, wenn ganze Staaten, ganze Regionen, die vom Verkauf von Öl und Gas abhängig sind, diese Einnahmen bis 2050 verlieren würden?
Aus meiner Sicht handeln wir heute fahrlässig, weil wir mit nationalen Symbolaktionen versuchen, ein globales Klimaproblem zu lösen. Wir diskutieren ein Jahr über einen nationalen Kohleausstieg, der im Promillbereich die CO2-Emissionen reduziert. Damit haben wir wieder ein Jahr verloren. Dabei hat Deutschland insgesamt einen globalen CO2-Emissionsanteil von 2,3% (Zahlen von 2016). Zusätzlich haben wir durch unsere nationale Klimapolitik bereits erheblich an Glaubwürdigkeit international verloren (zu teuer, zu kompliziert, zu umständlich, etc.). Damit haben wir auf der internationalen Bühne an Einfluss verloren. Das Problem Klimawandel ist erheblich größer? Aus meiner Sicht brauchen wir zunächst eine ehrliche Beschreibung der nationalen Lage und keine Symbolpolitik mehr. Wir brauchen eine Transformationsstrategie, wie fossilen Energien nicht mehr aus dem Boden geholt werden, die internationalen Handelsmärkte für Rohstoffe nicht kollabieren und Staaten über 30% BIP an fossilen Rohstoffförderung nicht in Unruhen und Kriegen versinken. Nur dann werden die fossilen Rohstoffe nicht irgendwo auf der Welt (CO2-Emissionen irgendwo auf der Welt wirken sich genauso aus, wie CO2-Emissionen in einem bestimmten Land) verbrannt und damit die globale Erwärmung aufgehalten.

* Hierbei handelt es sich um Pflichtfelder.