Das Versprechen saisonaler Energiespeicherung – Eine Studie von DNV GL

von Janina Grimm, 
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DNV GL hat im Februar 2020 ein Positionspapier zu saisonaler Energiespeicherung veröffentlicht. Die Kurzstudie untersucht den Bedarf und die Realisierbarkeit von saisonalen Stromspeichern. Sie stellen eine Form der Langzeitspeicherung dar, die in der Regel Energie über Wochen oder ganze saisonale Zeiträume speichern und somit längerfristige Schwankungen ausgleichen kann. Um ein Stromnetz mit hohen Anteilen erneuerbarer Energien stabil halten zu können, kann diese Technologie eine wichtige Rolle spielen. Daher lohnt es sich, einen Blick auf die Erkenntnisse dieser DNV GL-Studie zu werfen.

Die Energiewende – gemeint ist die Dekarbonisierung unserer Energieversorgung durch die Umstellung von fossilen Brennstoffen auf kohlenstofffreie Energiequellen - hat Auswirkungen auf das gesamte Energiesystem. Nicht nur die Erzeuger- sondern auch die Verbraucherseite ist betroffen. Denn mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wird immer mehr Strom von stark wetterbedingten Energiequellen gewonnen. Gleichzeitig führt die zunehmende Elektrifizierung des Wärmebedarfs auch zu einer größeren Wetterabhängigkeit privater Konsumenten, dem Gewerbe und der Industrie.

Aufgrund dieser Entwicklung klafft die Lücke zwischen Erzeugung und Nachfrage immer weiter auseinander und setzt das Energiesystem stark unter Druck. Netzstabilität und Versorgungssicherheit dürfen aber nicht gefährdet sein. Daher sind Technologien und Geschäftsmodelle, die auf ein flexibleres Energiesystem setzen, gefragter denn je.

Die saisonale Speicherung - z.B. durch die Erzeugung, Speicherung und Umwandlung von Wasserstoff - kann eine dieser Optionen darstellen. Sie ist besonders attraktiv, weil sie sich zwei wesentlichen Problemen der Energiewendet annimmt. Erstens vermag sie überschüssigen Strom zu verwerten, der andernfalls aufgrund fehlender Netzkapazitäten und geringerer Energienachfrage (in Sommermonaten) verloren ginge. Zweitens fördert sie die Dekarbonisierung der Stromerzeugung gerade dann, wenn die Nachfrage hoch und die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien niedriger ist.

Aus diesem Grund hat DNV GL sich im Rahmen einer Kurzstudie intensiv mit saisonaler Stromspeicherung beschäftigt. Sie gibt einen interessanten Einblick in den Bedarf für und die Realisierbarkeit von jahreszeitbedingten Speichertechnologien für Grünstrom. Anfordern können Sie die Studie hier.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie wollten wir Ihnen dennoch nicht vorenthalten. Sie lassen sich in fünf Punkte zusammenfassen:

  1. Die saisonale Speicherung muss mit anderen, zeitlich flexibleren Kurzspeichertechnologien konkurrieren.
  2. Die saisonale Speicherung lässt sich am besten mit der Erzeugung von komprimiertem Wasserstoff umsetzen.
  3. Die starken Schwankungen von Nachfrage und Erzeugung von erneuerbaren Energien zwischen den Jahren machen es schwer zwischen saisonaler Speicherung und „adequacy capacity“ zu unterscheiden.
  4. Aktivitäten rund um saisonaler Stromlagerung können nicht in einem einzigen Geschäftssegment angesiedelt sein.
  5. Die saisonale Lagerung ist sowohl eine Chance als auch eine Notwendigkeit.

Über die Autorin

Profilbild zu: Janina Grimm

Seit September 2019 unterstütze ich als studentische Hilfskraft das gesamte Team des Clusters für Erneuerbare Energien Hamburg bei der Entwicklung, Umsetzung und Nachbereitung vielfältiger Fachveranstaltungen. Parallel studiere ich meinen Master in Energy Policy. Diese Kombination aus Praxis und Theorie birgt viele tolle Chancen, meine Kenntnisse im Bereich der Erneuerbaren-Energien-Branche und nachhaltiger Energiepolitik zu vertiefen. (Janina Grimm)

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