Auf dem Weg zur FlexIndustrie

von Hanna Naoumis, 
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Rückblick: NEW 4.0-Workshop zu Flexibilisierung von Stromlasten am 9. April 2019

Am 9. April traf die norddeutsche Energie-Branche in kleinem Kreis in Hamburg zusammen, um sich zum Thema „Flexibilisierung von Stromlasten“ zu vernetzen. Von rechtlichen Rahmenbedingungen über Power-To-Aluminium bis zum ThermoLabyrinth des Flughafens – es gab viel zu Lernen.

Graphic Recording von bridge (www.hellobridge.de)

Begrüßt wurden die 88 Personen durch Matthias Boxberger, der in seiner Funktion als Mitglied der Projektsteuerungsgruppe von NEW 4.0 und als Vorstandsvorsitzender des IVH, auftrat. Er verdeutlichte die Situation der Diskrepanz zwischen Energienachfrage in Hamburg und der Erzeugung von Überschussstrom in Schleswig-Holstein und nannte die Flexibilisierung von industriellen Lasten als einen sehr wichtigen Beitrag zur norddeutschen Energiewende.

Potenziale der Industrie als Mitgestalter der Energiewende

Parallel zu der Veranstaltung veröffentlichte das Cluster Erneuerbare Energien Hamburg GmbH die Studie „FLEXINDUSTRIE. Potenziale der Industrie Norddeutschlands als Mitgestalter der Energiewende“, die hier runtergeladen werden kann: www.eehh.de/Flexindustrie

Die Autoren der Studie von Navigant Energy Germany GmbH und von Averdung Ingenieure, Jan-Martin Rhiemeier und Katharina Schwind, übernahmen die Keynote zu diesem aktuellen Thema. Nach der Herleitung, warum es einen Bedarf an lokalen Märkten und flexiblen Verbrauchen gibt, erläuterten die Ingenieure verschiedene Flexibilisierungspotenziale in Norddeutschland. Abschließend stellten Sie einen Business Case vor und sprachen sich für „einfache“ und wirtschaftliche Sektorkopplungstechnologien für zuschaltbare Lasten wie die Power-to-Heat-Technologie aus.

Regulierungen, Business Cases und Energiemanagement

Nach einer Pause ging es in den ersten thematischen Block. Den Anfang machte Johannes Hilpert, von der Stiftung Umweltenergierecht, der die Flexibilisierung des Stromverbrauchs aus rechtlicher Sicht betrachtete. Zwei zentrale Aussagen waren, dass die Einbindung zuschaltbarer Lasten in das Netzsicherheitsmanagement bislang unzureichend ist und wir gespannt sein können auf Impulse aus Europa – hier wird es interessant!

In den nächsten zwei Vorträgen wurde der Blick auf die Industrie und das Gewerbe geworfen: Welche Business Cases gibt es und wie organisiert man ein betriebliches Lastmanagement?

Matthias Kühl von der dezera GmbH erläuterte zunächst wie die Märkte für Flexibilisierung aussehen und zeigte dem Publikum anschaulich, wie sich erneuerbare Energien am Markt verhalten und welche Änderungen sich in den letzten Jahren ergeben haben. Matthias Kühl stellte den Use-Case Kraft-Wärme-Kopplung vor und erläuterte das Geschäftsmodell: Das Flexibilitätsmanagement bietet eine Möglichkeit elektrische Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen so zu betreiben, dass sie die erheblichen Preisschwankungen an der Strombörse optimal ausnutzen. Dies geschieht über eine Anbindung mittels dezeraBox komplett automatisiert.

Nils Heinrich von der Envidatec GmbH ging auf das Zusammenspiel und die Herausforderungen vom betrieblichen Energiemanagement und betrieblicher Lastflexibilisierung ein. Envidatec befasst sich mit der Option der Reduzierung von Leistungsspitzen und stelle diese anhand einer Bäckerei mit ca. 3,2 GWh/a Energiebedarf vor. Weitere Business Cases für kleinere Betriebe sind das Gas-Lastmanagement und die atypische Netznutzung, da diese häufig eine sehr gute Wirtschaftlichkeit vorweisen.

Matthias Boxberger begrüßt die Workshop-TeilnehmerInnen. Foto: EEHH

How to: Flexibilisierung in der Praxis

Im zweiten thematischen Block kamen Vertrete der Trimet Aluminium SE und der Flughafens Hamburg GmbH zu Wort. Julian Klaaßen vom Flughafen Hamburg stellte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum einen existierende Flexibilisierungspotentiale sowie mögliche Szenarien vor. Ebenso die Klimatisierung: Hier können die Terminals als Pufferspeicher verwendet werden.

Christian Erkes von der Trimet Aluminium SE präsentierte die Lautverschiebung in der Aluminiumelektrolyse in einem Betrieb mit 2TWh/a Energiebedarf pro Jahr. Im Projekt Power-to-Aluminium können 2019 40 MW für bis zu 48 Stunden und -20MW für bis zu 96 Stunden flexibilisiert werden. Die Herausforderung dabei ist es, einen stabilen Prozess mit einer stabilen Wärmebilanz einer Elektrolysezelle aufrecht zu erhalten.

Abschließend informierten Sven-Olaf Salow von der BUE Hamburg und Kai Jerma von der IB.SH Energieagentur zu Förderprogrammen für Unternehmen im Bereich Lastflexibilisierung.

Schönes Protokoll dank Energiewende-Comic

Ein Ende fand der Abend im „Stadt-Restaurant“ des Hotels Reichshof. Begleitet wurde die gesamte Veranstaltung von dem Illustrator Jai Wanigesinghe von bridge. Jai zeichnete die komplexen Inhalte live mit und schuf eine große Illustration, die unsere Veranstaltung perfekt zusammenfasst.

Über die Autorin

Profilbild zu: Hanna Naoumis

Seit Anfang 2017 arbeite ich als B2B-Marketing Managerin von NEW 4.0 im Cluster EEHH. Ob auf dieser Webseite, bei Twitter, via Xing, auf Fachveranstaltungen und Messen - jeden Tag kann ich über das reden und schreiben, was mich am meisten interessiert: Die Entwicklung von innovativen Lösungen zum Voranbringen der Energiewende, des Klimaschutzes und damit einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft.

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