Power-to-Heat-Anlage von Aurubis

Im Interview: Christian Hein zur Power-to-Heat-Anlage von Aurubis

von NEW 4.0 Gastautor, 
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Christian Hein, Director Corporate Energy & Climate Affairs bei der Kupferhütte Aurubis in Hamburg, im Interview zum NEW 4.0 Projekt, das zur Erzeugung von Heizdampf zur Kupferproduktion teilweise Strom statt Erdgas einsetzt. Das Interview erschien zu Messe HUSUM Wind in der Sonderveröffentlichung der Zeitschrift Erneuerbare Energien „Wind Innovation“ 2017.

Power-to-Heat-Anlage von Aurubis

Aurubis produziert rund um die Uhr. Inwieweit kann die Umstellung auf Power-to-Heat zur Flexibilisierung des Strombezuges beitragen?

Christian Hein: Wir analysieren im Rahmen des Projektes NEW 4.0, ob wir durch den Einsatz eines Elektrodenheizkessels einen Teil der jetzigen Dampferzeugung aus Erdgas ersetzen können und ob uns dies im Strombezug flexibler macht. Unsere Analysen und Studien zur technischen Machbarkeit zeigen bisher, dass beides möglich ist. Derzeit nutzen wir Power-to-Heat allerdings nicht, da aktuell weder die wirtschaftlichen noch die rechtlichen Rahmenbedingungen dazu geeignet sind, das Projekt wirtschaftlich sinnvoll realisieren zu können. Dabei gibt es reichlich Potenzial, wie unser Konzept zeigt: Unsere Erkenntnisse und Erfahrungen könnten wir unter Umständen innerhalb des Konzerns auf andere Standorte übertragen. Wir könnten die Ergebnisse anderen Akteuren der Nichteisenmetall verarbeitenden Industrie zur Verfügung stellen, die sehr energieintensiv produzieren. Damit würden wir die Flexibilisierung des Strombezugs der gesamten Branche unterstützen.

Welche Auswirkungen hätte die Umstellung auf die Produktion?

Christian Hein: Wir würden lediglich die Dampferzeugung anpassen. Aktuell wird der Dampf teilweise aus Erdgas erzeugt, nach der Umstellung aus Strom. Bis auf die Errichtung des Elektrodendampfkessels wäre keine weitere Umstellung der Produktion nötig.

Bedeutet die Installation eines Elektrodendampfkessels, dass Aurubis flexibler auf dem Energiemarkt reagieren kann?

Christian Hein: Ja, mit dem Betrieb eines Elektrodendampfkessels könnten wir den Bezug von Gas durch Strom substituieren. Das böte uns die Möglichkeit, flexibler auf den Energiemärkten zu agieren. Das wäre eine Ergänzung zu bisherigen Aktivitäten wie etwa der Teilnahme am Sekundärregelmarkt mit unserer Elektrolyse.

Ist eine Minderung der CO2-Emissionen durch den Einsatz der Power-to-Heat-Anlage zu erwarten?

Christian Hein: Ja, die Anlage reduziert den Gasverbrauch. Dadurch ergäben sich CO2-Emissionsminderungen. Ihr Umfang hängt von verschiedenen Faktoren ab wie beispielsweise den Einsatzzeiten und dem bezogenen Strom. Grundsätzlich wären die Einsparungen aber nicht so stark ausgeprägt wie in anderen Projekten, die wir vorantreiben: Durch die Auskopplung von Fernwärme, die an Hamburger Haushalte geliefert wird, sprechen wir beispielsweise von CO2-Einsparungen bis zu 140.000 Tonnen jährlich. Leider wird diese Einsparung im derzeitigen europäischen Emissionshandel nicht ausreichend gewürdigt.

Gibt es im Werk weitere Potenziale zur Flexibilisierung der Stromabnahme?

Christian Hein: Das lässt sich im Moment noch nicht abschließend sagen, aber wir halten es für durchaus möglich. Wir arbeiten gerade mit einem externen Partner daran, dies im Rahmen des Projektes NEW 4.0 zu analysieren und erforschen.

Im Interview

Profilbild von Christian Hein

Christian Hein ist Director Corporate Energy & Climate Affairs. In diesem Bereich wird die konzernweite Weiterentwicklung der Energiemanagement- und -monitoringsysteme koordiniert und für eine einheitliche Vorgehensweise sowie den Erfahrungsaustausch zu Best-Practice-Beispielen gesorgt.

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