Im Interview: Julian Klaaßen vom Hamburg Airport

von Hanna Naoumis, 
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NEW 4.0 Partner berichten über ihre Innovationsprojekte

Der Flughafen Hamburg ist assoziierter Partner von NEW 4.0. Julian Klaaßen, Umweltingenieur am Hamburg Airport, erläutert die Rolle des Flughafens in NEW 4.0 und gibt Einblicke in die Umwelt- und Energieprojekte des Flughafens.

Flughafen Hamburg. Foto: Hamburg Airport

Der Flughafen Hamburg ist assoziierter Partner im Großprojekt NEW 4.0. Was ist Ihre Motivation, an dem Projekt teilzunehmen?

Der Energieverbrauch am Hamburg Airport wird unter anderem durch die über 100 Gebäude bestimmt, von denen viele aufgrund ihrer Dimensionen und Funktion sehr energieintensiv sind. Auch nachts ergibt sich ein hoher Energiebedarf, da Instandhaltungsmaßnahmen an Flugzeugen durchgeführt werden. Hinzu kommt der Betrieb der Befeuerungsanlagen der Start- und Landebahnen, der Roll- und Taxiwege sowie die Beleuchtung der Vorfelder. Um einen reibungslosen Betrieb des Flughafens gewährleisten zu können, ist eine stabile und sichere Energieversorgung unerlässlich.

Da sich der Hamburg Airport aufgrund seines Energiebedarfes der potentiellen Auswirkung auf die Umwelt bewusst ist, wird hier viel für den Umweltschutz getan. Die Motivation an dem Großprojekt NEW 4.0 teilzunehmen liegt insbesondere darin, die Zukunft umweltfreundlich zu gestalten. Als größter Flughafen Norddeutschlands und fünftgrößter Flughafen Deutschlands möchten wir unseren Beitrag für eine verbesserte Zukunft leisten, für die Zukunft vorbereitet sein und diese mitgestalten.

Mit welchen Projekten ist der Flughafen Hamburg an NEW 4.0 beteiligt?

Der Flughafen ist mit keinem konkreten Einzelprojekt dabei, sondern betrachtet viele verschiedene Sektoren. Nach wie vor liegt unser Fokus darauf, unseren Energiebedarf durch neueste technische Systeme zu reduzieren und unseren Strombedarf durch ein ausgedehntes Sub-Monitoring besser klassifizieren zu können. Hinzu kommt die Erprobung eines intelligenten und flexiblen Lastmanagements. Des Weiteren wird momentan die Möglichkeit einer Onside-Elektrolyse betrachtet, welche den Anstoß für die Wasserstoffinfrastruktur am Flughafen und Umgebung bilden soll. Ziel ist es, Fahrzeuge als auch GPU’s (Groud Power Units) mit Brennstoffzellen zu betreiben und somit die im Betrieb eingesetzten fossilen Energieträger durch regenerativ angetriebene  Varianten zu ersetzen.

Im Interview

Profilbild: Julian Klaaßen

Julian Klaaßen, Umweltingenieur am Hamburg Airport. Er ist im Zentralbereich Umwelt für die Themen Energie, APU, Forschungsobjekte und NEW 4.0 zuständig.

Inwieweit befasst sich der Flughafen Hamburg bereits außerhalb NEW 4.0 mit Themen der erneuerbaren Energien?

Sowohl Erneuerbare Energien als auch das generelle Oberthema Umweltschutz wird am Flughafen seit vielen Jahren gelebt. Wir, im mittlerweile 15 Personen starken Zentralbereich Umwelt, befassen uns tagtäglich mit den Umwelteinflüssen des Flughafens als auch den damit verbundenen Maßnahmen zur entsprechenden Reduktion. So wurde 1998 ein Umweltmanagementsystem eingeführt, welches nun zum 7. Mal in Folge EMAS zertifiziert worden ist. Als weitere Maßnahme gehört die erfolgreiche Teilnahme am Programm "Airport Carbon Accreditation" (ACA). Danach sollen Flughäfen nach ehrgeizigen Vorgaben des Flughafenverbandes ACI Europe ihre Kohlendioxid-Emissionen senken und langfristig sogar CO2-neutral werden.

Um das Ziel der CO2-Neutralität zu erreichen, werden und wurden bereits viele Projekte durchgeführt. Eines davon ist beispielsweise das Mobilitätskonzept 2020, welches vorsieht den Großteil aller Betriebsfahrzeuge auf dem Flughafengelände mit alternativen Antrieben auszurüsten. Hier wird auch das Thema der Sektorenkopplung inkludiert, welches in meinen Augen ein sehr wichtiger Faktor zum Gelingen der Energiewende ist - daher auch das Projekt mit der Onside-Elektrolyse. Doch auch neben den Reduktionsmaßnahmen werden immer wieder die Möglichkeiten der Eigenproduktion betrachtet.

Wie sehen Sie die Rolle des Flughafens in NEW 4.0?

Durch seine Größe und seine „Inselsituation“ – wir sagen gerne, der Flughafen ist wie eine eigene Stadt – liegt hier ein hohes Potential für Innovationen, was sich in vielen Bereichen immer wieder bestätigt. Der Flughafen bietet also eine gute Plattform zur Umsetzung oder Erprobung neuer Technologien, solange diese den Flugbetrieb in keiner Weise beeinträchtigen. Auch aufgrund unseres hohen Energiebedarfs wissen wir, dass die Energiewende auch bei uns stattfinden muss, bzw. dass wir unseren entsprechenden Beitrag dazu liefern müssen und können, um sie allumfassend umsetzen zu können. Es liegt an uns allen, einen reibungslosen Übergang zum gewollten Ziel 2035 zu erreichen.

Doch auch in Sachen Werbung kann der Flughafen viel bewirken: Im vergangenen Jahr nutzten 17,6 Mio. Passagiere den Flughafen Hamburg. Hier existiert ebenfalls ein großes Potential, das Projekt NEW 4.0 noch bekannter zu machen und den Menschen näher zu bringen.

Über die Autorin

Profilbild zu: Hanna Naoumis

Seit Anfang 2017 arbeite ich als B2B-Marketing Managerin von NEW 4.0 im Cluster EEHH. Ob auf dieser Webseite, bei Twitter, via Xing, auf Fachveranstaltungen und Messen - jeden Tag kann ich über das reden und schreiben, was mich am meisten interessiert: Die Entwicklung von innovativen Lösungen zum Voranbringen der Energiewende, des Klimaschutzes und damit einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft.

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