Im Interview: Energie-Experte Tobias Knahl von der Handelskammer Hamburg

von Hanna Naoumis, 
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Die Handelskammer Hamburg ist assoziierter Partner des Verbundprojektes NEW 4.0 und unterstützt vor allem bei der Netzwerkarbeit und Verbreitung der Ergebnisse. Tobias Knahl leitet die Abteilung Industrie, Energie, Umwelt und berichtet über die Rolle und Motivation der HK Hamburg sich in dem Projekt zu engagieren.

Tobias Knahl beim 16. Energieworkshop der HK Hamburg. Foto: HK Hamburg

Die HK Hamburg ist assoziierter Partner in dem Großprojekt NEW 4.0. Was war Ihre Motivation, an dem Projekt teilzunehmen?

Hamburg und seine Metropolregion eignen sich besonders gut als Schaufenster für die Energiewende: Hier gibt es eine beeindruckende Ballung von energieintensiven Unternehmen, aber auch von Betrieben aus allen Bereichen der erneuerbaren und konventionellen Energien. Hamburg hat sich in den vergangenen Jahren außerdem zu einer Metropole der Windenergie mit wichtigen Unternehmen der Branche und Forschungsabteilungen entwickelt.

Das Projekt NEW 4.0 stellt unter diesen Rahmenbedingungen eine große Chance für die Hamburger Wirtschaft dar. Die räumliche Nähe und die hohe fachliche Kompetenz der an NEW 4.0 beteiligten Unternehmen ermöglichen Leuchtturmprojekte in den Bereichen Netzstabilität und Sektorenkopplung, die als Blaupause für das Gelingen der Energiewende in ganz Deutschland dienen können. Für uns als Vertretung von rund 160.000 Unternehmen war es daher selbstverständlich, dieses spannende Zukunftsprojekt zu unterstützen!

Die Handelskammer Hamburg befasst sich viel mit Themen der erneuerbaren Energien, sei z.B. beim Beraterstammtisch oder bei den regelmäßig stattfindenden Energieworkshops. Welche thematischen Schnittstellen gibt es zwischen den Themen der Handelskammer Hamburg und dem Projekt NEW 4.0?

Die Handelskammer Hamburg begleitet ihre Mitgliedsunternehmen bei der Umsetzung der politischen Klima- und Umweltschutzziele und den Herausforderungen, die sich aus der Energiewende ergeben. Bei uns gibt es daher eine Vielzahl von Informations- und Diskussionsveranstaltungen zu aktuellen Energiethemen. Auch im Rahmen unserer Gesamtinteressenvertretung erarbeiten wir Positionspapiere, um energiepolitische Forderungen der Hamburger Wirtschaft an die Landes- und Bundespolitik zu tragen, meist im „Schulterschluss“ mit den anderen Kammern der IHK Nord und mit dem DIHK. Im Rahmen unseres Standpunktepapiers zur Bundestagswahl 2017 haben wir beispielsweise Forderungen zur Energiepolitik formuliert, die auf die Stärkung der Sektorenkopplung und die Umsetzung der Strommarktreform abzielen. Schließlich sind viele der Konsortialpartner auch langjährige Mitglieder unserer Gremien.

Die HK Hamburg arbeitet insbesondere im Arbeitspaket „Akzeptanz und Verwertung“ aktiv mit. Was sind Ihre Hauptaufgaben im Projekt NEW 4.0?

Im Rahmen von NEW 4.0 sind wir vor allem für die Netzwerkarbeit und Verbreitung der Ergebnisse zuständig. Dies tun wir über diverse Kanäle: Informationsveranstaltungen, internationale Konferenzen, die Arbeit unseres Energieausschusses und anderer Gremien, unsere Mitgliederzeitschriften und soziale Medien sowie unser bundesweites Netzwerk. Am 28. Februar 2018 findet beispielsweise unser drittes „Hamburg Copenhagen Business Forum“ statt, in dessen „Modern-Energy-Panel“ es auch um NEW 4.0 gehen wird.

Welche größten Herausforderungen erkennen Sie in diesem Bereich?

Die Akzeptanz für die Energiewende ist in der Hamburger Wirtschaft schon vergleichsweise hoch. Das verdeutlicht das jährlich bundesweit von der IHK-Organisation veröffentlichte Energiewendebarometer: Die Hamburger Unternehmen bewerten die Auswirkungen der Energiewende auf ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich positiver als der Bundesdurchschnitt. Bei einer Bewertungsbreite von -100 („sehr negativ“) bis +100 („sehr positiv“) bewertet die Hamburger Wirtschaft die Auswirkungen im Jahr 2017 mit +6,3. Der Durchschnitt aller deutschen IHKs liegt hingegen nur bei +1,0.

Um diese Akzeptanz langfristig zu erhalten und noch zu steigern, muss aber sichergestellt sein, dass Energie auch zukünftig nicht nur klimaschützend und umweltgerecht, sondern auch langfristig planbar, zu wettbewerbsfähigen Preisen und sicher zur Verfügung steht. Dazu bedarf es eines verlässlichen gesetzlichen Rahmens, der Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit auch in Zukunft gewährleistet und sich dabei auch an den Erkenntnissen von NEW 4.0 orientiert. Hier besteht für die nächsten Jahre weiter Handlungsbedarf.

Im Interview

Profilbild: Tobias Knahl

Tobias Knahl leitet die Abteilung Industrie, Energie, Umwelt der Handelskammer Hamburg. Dabei ist er u. a. Geschäftsführer der Handelskammer-Ausschüsse für Industrie, für Energie sowie für Umwelt, koordiniert die energiepolitischen Aktivitäten der norddeutschen Kammervereinigung IHK Nord und vertritt die HK in den entsprechenden Fach-Gremien des DIHK.

Über die Autorin

Profilbild zu: Hanna Naoumis

Seit Anfang 2017 arbeite ich als B2B-Marketing Managerin von NEW 4.0 im Cluster EEHH. Ob auf dieser Webseite, bei Twitter, via Xing, auf Fachveranstaltungen und Messen - jeden Tag kann ich über das reden und schreiben, was mich am meisten interessiert: Die Entwicklung von innovativen Lösungen zum Voranbringen der Energiewende, des Klimaschutzes und damit einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft.

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