Im Interview: Felix Röben zum Thema Aus- und Weiterbildung im Rahmen der Energiewende

von Hanna Naoumis, 
Kommentare: 0

Felix Röben von der HAW Hamburg erläutert in diesem Kurzinterview den Arbeitsbereich Aus- und Weiterbildung des Großprojektes NEW 4.0. Ziel ist, Qualifizierungsbedarfe für die Energiewende zu identifizieren und Weiterbildungsangebote zu entwickel und umzusetzen.

Warum ist es Ihrer Meinung nach erforderlich Weiterbildungsangebote für den Bereich erneuerbare Energien zu entwickeln?

Auch wenn die Zeichen sehr schlecht um das Pariser Klimaabkommen stehen, muss man weiter mit allen Mitteln versuchen, den menschgemachten Klimawandel einzudämmen. Um die bundespolitischen Klimaziele hoffentlich doch noch zu erreichen und damit eine Vorreiterrolle im internationalen Kontext einzunehmen, ist für die Bewältigung der Herausforderung „Umbau der Energieversorgung“ eine großflächige Aus- und Weiterbildung von Fachpersonal notwendig.

Natürlich sind wir auf die Expertise der etablierten Energiewirtschaft angewiesen, um die Versorgungssicherheit weiterhin zuverlässig zu gewährleisten, aber viele Dogmen der konventionellen und zentralen Energieerzeugung müssen überdacht und angepasst werden. Um die Erkenntnisse aus der Forschung um die zukünftig dezentrale, digitalisierte und emissionsfreie Energieversorgung in die Unternehmen zu bringen, sind Weiterbildungsmaßnahmen erforderlich.

In welchem Bereich sehen Sie den größten Bedarf?

Das in der Energiebranche tätige Fachpersonal und eventuelle neue Akteure müssen in Zukunft noch komplexere Systeme und gekoppelte Sektoren bewirtschaften. Was heute noch größtenteils getrennt in verschiedenen Branchenzweigen bearbeitet wird, könnte morgen schon höchst vernetzt und voneinander abhängig sein. Denken Sie nur an Strom, Wärme, Mobilität und verarbeitende Industrie.

Dies bedingt wiederum einen immer komplexeren Rechts- und Ordnungsrahmen, den es zu durchschauen und berücksichtigen gilt. Hinzu kommt noch der Einzug von digitaler und automatisierter Mess- und Regelungstechnik, wodurch auch für Montage und Installation ein zunehmendes Fachwissen an Informatik und Elektrotechnik notwendig wird. Auch im Bereich des systemischen Denkens gibt es Bedarf. Die Zusammenhänge zwischen Primär- und Endenergie, Emission, Energieumwandlung, Speicherung und Systemstabilität sollten jedem der Energiebranche geläufig sein.

Im Interview

Profilbild: Felix Röben

Felix Röben arbeitet seit Dezember 2016 im Projekt NEW 4.0 an der HAW Hamburg und konzeptioniert Weiterbildungsmaßnahmen für die Energiewende. Außerdem schreibt er eine Doktorarbeit im Projektkontext und erforscht die technologischen und regulatorischen Rahmenbedingungen der Marktmechanismen zur Erbringung von Regelleistung.

Was sind die konkreten Ziele im NEW 4.0 -Arbeitspaket „Qualifizierung und Weiterbildung“?

Ziel des Arbeitspaketes ist es, Qualifizierungsbedarfe im Rahmen der Energiewende durch passgenaue Weiterbildungsangebote zu decken. Dafür werden Interviews mit den Partnern des Konsortiums sowie ähnlich aufgestellten Unternehmen geführt. Mit diesen Ergebnissen sowie den Erkenntnissen aus den technischen Arbeitsbereichen von NEW 4.0 sollen die Weiterbildungslücken geschlossen und gewerbliche und akademische Weiterbildungsangebote im Projektverbund entwickelt und umgesetzt werden.

Welche Partner arbeiten in dem AP zusammen?

Im AP 7 arbeiten neben der HAW Hamburg noch drei weiter Hochschulen, die Universität Hamburg, die Hochschule Flensburg und die Hochschule Lübeck. Mit dem Elbcampus ist aber auch eine praxisorientierte Bildungseinrichtung der Handwerkskammer Hamburg beteiligt.

Welche Art von Weiterbildung wollen Sie entwickeln? (akademisch, Ausbildung?)

Geplante Aktivitäten beinhalten die Konzeptionierung und Umsetzung von drei akademischen Zertifikatskursen, zwei Online-Modulen zum Thema „intelligente Energie“ und drei Weiterbildungsmodulen für die berufliche Qualifizierung.

Ggf. wird es Impulse für die Schaffung von neuen Ausbildungsberufen geben, auch wenn dies die länderübergreifende Kooperation der Industrie- und Handelskammern bedingt und nicht im Kontext von NEW 4.0 in Angriff genommen werden kann.

Was sind die nächsten Schritte im Projekt?

Die Bedarfserhebung läuft noch über den Dezember und wird Anfang 2018 ausgewertet. Aus dem Vergleich des erhobenen Bedarfes und dem bereits erfassten Weiterbildungsangebot werden wir Handlungsempfehlungen und damit die Thematik der zu entwickelnden Weiterbildungen ableiten. Mitte 2018 werden wir die Ergebnisse in einer Qualifizierungsstudie veröffentlichen und an alle NEW 4.0 Partner verteilen.

NEW 4.0 soll eine Blaupause für die deutsche Energiewende entwickeln. Inwieweit lassen sich die gewonnen Erkenntnisse auf Gesamtdeutschland übertragen?

Die Problematik der zunehmenden Komplexität, der notwendigen Sektorenkopplung und der Umbau zu einem dezentralen und digitalisierten Energieversorgungssystems betrifft ganz Deutschland. Insbesondere der Rechts- und Ordnungsrahmen wird immer im nationalen Kontext, ggf. sogar im europäischen Kontext Anwendung finden. Die Lösungsansätze der NEW Modellregion Hamburg und Schleswig-Holstein lassen sich in vielen Punkten auf ganz Deutschland übertragen, weil es im großem Maßstab zu dezentraler Energieerzeugung, weitläufiger Energieübertragung und erzeugungsgeführtem Energieverbrauch in Ballungszentren kommen wird.

Über die Autorin

Profilbild zu: Hanna Naoumis

Seit Anfang 2017 arbeite ich als B2B-Marketing Managerin von NEW 4.0 im Cluster EEHH. Ob auf dieser Webseite, bei Twitter, via Xing, auf Fachveranstaltungen und Messen - jeden Tag kann ich über das reden und schreiben, was mich am meisten interessiert: Die Entwicklung von innovativen Lösungen zum Voranbringen der Energiewende, des Klimaschutzes und damit einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft.

Fügen Sie als erster einen Kommentar hinzu

* Hierbei handelt es sich um Pflichtfelder.