Im Interview: Dr. Kai Hünemörder von der Handwerkskammer Hamburg

von Hanna Naoumis, 
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Dr. Kai Hünemörder, Leiter des Zentrums für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik (ZEWU) der Handwerkskammer Hamburg, im Interview zum Thema Qualifizierungsbedarfe für Erneuerbare Energien.

2. Auftakttreffen zum Projektstart von NEW 4.0 mit Prof. Beba im Januar 2017. Foto: HwK Hamburg

Die HWK Hamburg ist Förderpartner im Großprojekt NEW 4.0. Was war Ihre Motivation, an dem Projekt teilzunehmen?

Das Hamburg Handwerk arbeitet seit Jahrzehnten daran mit, die Energieproduktion zu dezentralisieren. Um die Erneuerbaren Energien in ganz Norddeutschland zum Rückgrad einer klimafreundlichen Energieversorgung zu machen, müssen allerdings Erzeugung und Verbrauch synchronisiert werden. Bei diesem anspruchsvollen technischen Umbau der Versorgungsstrukturen und der Installation von Energiespeichern spielen gut aufgestellte SHK-, Elektro- und Hautechnikbetriebe eine Schlüsselrolle. Das ZEWU der Handwerkskammer möchte hierbei zur Verständigung von Industrie, Energieversorgern und Handwerk beitragen.

Welche Qualifikationen für erneuerbare Energien bietet die Handwerkskammer bereits jetzt an?

Im ELBCAMPUS bilden wir seit über 10 Jahren praxisnah Elektromeister, Fachkräfte für Solartechnik, Gebäudenergieberater und Energieeffizienz-Experten aus. Neben Technikern und Handwerkern gehören Planer und Architekten zu unseren häufigsten Weiterbildungskunden. Mit fortschreitender Digitalisierung verändern sich die Kompetenzanforderungen. Daher statten wir zurzeit zwei neue EDV-Schulungsräume mit der neuesten Technik aus.

Im Interview

Profilbild: Dr. Kai Hünemörder

Dr. Kai Hünemörder leitet seit 2008 das Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik (ZEWU) der Handwerkskammer Hamburg. Zuvor war er in der Umweltforschung an der Universität Göttingen und als Referent für Energie und Umwelt im Schleswig-Holsteinischen Landtag tätig.

Umwelttechnik ist einer der Schwerpunkte des Weiterbildunszentrums ELBCAMPUS. Über mehrere Beratungszentren wie das SolarZentrum, das EnergieBauZentrum und die mobile Energieeffizienzberatung der 15.000 Hamburger Handwerksbetriebe versucht Hünemörder mit seinem Team aus 15 Umweltexperten, Planern und Energieberatern die Energiewende in Hamburg voranzubringen.

Wie schätzen Sie bei uns im Norden die Lage von qualifiziertem Personal im Bereich gewerblich-technischer Berufe für erneuerbare Energien ein?

Gemeinsam mit den Innungen, Unternehmen, Betrieben und anderen Weiterbildungsträgern haben wir bisher vermeiden können, dass sich ein Flaschenhals bildet und mangels verfügbaren Personals die Umsetzung der Energiewende ins Stocken gerät. Neuere Umfragen der HAW zeigen aber, dass etwa für Service und Wartung mit einem steigenden Bedarf zu rechnen ist. Daher bauen wir unser ELBCAMPUS-Seminarangebot modular aus. Besondere Sorge bereitet uns der allgemeine Fachkräftemangel im Bereich Elektro und bei den Anlagenmechanikern für Heizungstechnik.

Mit welchen Projekten ist die HWK am Projekt NEW 4.0 beteiligt? Was sind nächste Schritte in Ihren NEW 4.0-Projekten?

Im Verbundprojekt sind wir an einer Studie der Hochschulpartner zur Veränderung der Qualifizierungsbedarfe durch die Energiewende beteiligt. Die Studie wird in einigen Monaten veröffentlicht. Zurzeit sind wir dabei, neue Weiterbildungsmodule für Handwerker und Techniker zu entwickeln. Im Frühsommer werden wir ein erstes Pilotseminar zur Fernüberwachung gebäudebezogener Anlagentechnik durchführen. Hiermit reagieren wir auf die Erkenntnis, dass gerade bei der Vielzahl der im Gebäude tätigen Fachkräfte das Verständnis für die Vernetzung moderner Anlagentechnik vorangebracht werden muss. Daneben unterstützt die Handwerkskammer die Vermittlung der Zwischenergebnisse aus den Use Cases des Verbundprojektes an Fachleute und interessierte Laien.

 

Weitere Informationen zum NEW 4.0-Projekt der Handwerkskammer Hamburg finden Sie hier.

Über die Autorin

Profilbild zu: Hanna Naoumis

Seit Anfang 2017 arbeite ich als B2B-Marketing Managerin von NEW 4.0 im Cluster EEHH. Ob auf dieser Webseite, bei Twitter, via Xing, auf Fachveranstaltungen und Messen - jeden Tag kann ich über das reden und schreiben, was mich am meisten interessiert: Die Entwicklung von innovativen Lösungen zum Voranbringen der Energiewende, des Klimaschutzes und damit einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft.

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