Editorial März 2018

von Jan Rispens, 
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Sektorkopplung langfristig

In der Koalitionsvereinbarung der neuen Bundesregierung spielt die Sektorenkopplung eine prominente Rolle. Ob nun in der angekündigten Digitalisierung der Stromverteilnetze, dem Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, beim künftigen Betrieb von Energiespeichern oder bei der Unterstützung von Industrieunternehmen, in der Flexibilisierung ihres Energieverbrauchs.

All diese Maßnahmen zielen darauf, grünen Strom, der augenblicklich nicht ins Stromnetz eingespeist werden kann, sinnvoll in anderen Energiesektoren einzusetzen. Soweit, so gut. Denn: der grüne Strom selbst wird mit steigendem Angebot und mit der zunehmenden Kostensenkung von Wind- und Solarenergie immer attraktiver für den Einsatz in andere Sektoren werden.

Hier liegt aber die große Aufgabe in der kommenden Legislaturperiode versteckt: Sektorenkopplung als langfristige Lösung für eine ganzheitliche Energiewende zu etablieren. Derzeit ist der Strom – auch der Grünstrom - im Gegensatz zu anderen (fossilen) Energieträgern, mit sehr hohen Steuern, Abgaben und Umlagen belegt. Damit ist der Energieträger Grünstrom, der in allen Sektoren die Treibhausgasemissionen senken soll und kann, in den allermeisten Anwendungsfällen schlicht unwirtschaftlich und kann sich am Markt nicht durchsetzen.

Die große Reform, die diese Kostenbenachteiligung abmildern würde, ist aber in der Koalitionsvereinbarung höchsten unscharf zu erkennen. In der Energiepolitik muss dieser Punkt die „Hauptbaustelle“ der Bundesregierung werden. Daran führt kein Weg vorbei - auch wenn die Ankündigung, dass die Bundesregierung der Anteil der Erneuerbare Energien schon bis 2030 auf 65% anheben will, viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Über den Autor

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Seit Gründung in 2011 ist Jan Rispens, als gelernter Elektrotechnik-Ingenieur, Geschäftsführer der EEHH Clusteragentur und seit 20 Jahren aktiv im Bereich nachhaltige Energieversorgung und Klimaschutz.

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